Auf der Flucht vor den Huthi-Rebellen hat der jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi offenbar das Land verlassen. Er sei auf dem Seeweg aus der Stadt Aden geflohen, sagte ein Regierungsvertreter am Mittwochabend. Die Rebellen haben auf Hadi ein Kopfgeld ausgesetzt, sein Verteidigungsminister fiel den Angreifern in die Hände.

Schon am Mittag hatte es Berichte gegeben, wonach sich der Präsident mit einem Hubschrauber und begleitet von saudischen Diplomaten ins Ausland abgesetzt habe, was aus seiner Umgebung umgehend dementiert wurde. Hadi sei noch im Jemen und lediglich in der Umgebung von Aden an einen sicheren Ort gebracht worden, erklärte ein Berater. Das Staatsoberhaupt hatte zuvor seine Residenz in Aden verlassen, wo er seit der Flucht aus Sanaa gewohnt hatte. 

Die mit dem Iran verbündeten schiitischen Huthi-Rebellen belagern seit einigen Tagen den Golf von Aden, durch den eine der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten führt. Zuletzt nahmen sie sogar den Flughafen der Stadt ein. Die Situation ist chaotisch: Die USA mussten ihre letzten Spezialeinheiten evakuieren, die die Drohneneinsätze vor Ort koordinierten. Und Al-Kaida triumphiert.

Herrenlose US-Fahrzeuge und Bürgerwehren

Präsident Hadi hat sich mit einem dramatischen Aufruf an den UN-Sicherheitsrat gewandt und an alle "willigen Nationen" appelliert, "Jemen zu schützen und den Angriff der Huthis auf Aden abzuwehren, der jeden Augenblick erfolgen kann". Ausdrücklich bat er um Luftunterstützung der Golfstaaten.

Denn die Huthi-Rebellen sind mit Kampfflugzeugen ausgerüstet. Am Mittwoch nahmen die Rebellen erneut den Al-Maasheeq Palast von Aden unter Beschuss, der Hadi in den letzten Wochen nach seiner Flucht aus Sanaa als Residenz gedient hatte. Der Flughafen wurde geschlossen. Der Gouverneur ließ Bürgerwehren aufstellen und Waffen ausgeben, um die Stadt gegen die Invasoren zu verteidigen. Am Samstag will die Arabische Liga auf ihrem Gipfel im ägyptischen Scharm El-Scheich über die Krise und eine mögliche Militärintervention beraten.

Derweil schließt sich der Belagerungsring der Huthis um Aden, nachdem die Rebellen am Wochenende mit Taiz auch die drittgrößte Stadt des Landes erobern konnten. In der Nacht zu Mittwoch fiel ihnen Jemens größte Luftwaffenbasis in Al-Anad 50 Kilometer vor Aden in die Hände, von der aus die amerikanischen Drohnenangriffe auf Al-Kaida organisiert worden waren. Die westlichen Staaten haben sich nahezu komplett aus dem Jemen zurückgezogen. Fast alle europäischen Botschaften sind geschlossen, die gesamte Einrichtung der US-Vertretung in Sanaa wurde von eigenen Sicherheitskräften vor Abreise der Diplomaten gezielt zerstört. Dutzende Fahrzeuge des US-Fuhrparks blieben herrenlos am Flughafen von Sanaa zurück.