Die Lage im Jemen droht nach Anschlägen der sunnitischen Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) auf schiitische Moscheen in der Hauptstadt Sanaa zu eskalieren. Die USA haben ihr verbliebenes Botschaftspersonal aus dem Land abgezogen. Aus Sicherheitsgründen würden alle Mitarbeiter außer Landes gebracht, erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Jeff Rathke. Erst kurz zuvor hatten die USA auch ihr Militärpersonal aus dem Jemen abgezogen.

Wegen der eskalierenden Gewalt in dem Land kommt der UN-Sicherheitsrat am Sonntagnachmittag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Jordanien habe um die Ansetzung der Sondersitzung gebeten. Der Sicherheitsrat tagt normalerweise nicht an Wochenenden, solche Treffen finden nur in dringenden Ausnahmesituationen statt.

Bei Attentaten waren am Freitag mindestens 142 Menschen getötet und 351 weitere verletzt worden. In zwei Moscheen, die von Anhängern der schiitischen Huthi-Miliz besucht werden, hatten sich während des Gebets vier Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Erstmals bekannte sich die sunnitische Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) zu Anschlägen im Jemen. Die Attentate sind die schlimmsten, die die Hauptstadt Sanaa bislang erlebt hat. 

Sanaa wird seit Monaten von schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert. Der in den Südjemen geflohene Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi sowie mehrere Regierungsmitglieder waren von den Aufständischen Mitte Januar dort unter Hausarrest gestellt worden. Ende Februar konnte Hadi aus Sanaa ins südlich gelegene Aden fliehen. Von dort aus versucht er, die Macht über den Jemen wiederzuerlangen.

Iran verurteilt Anschläge scharf

Die Anschläge wurden international scharf verurteilt. Auch vom Iran, der verdächtigt wird, die Huthi-Milizen im Konflikt mit Hadi unterstützt zu haben.

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Bislang war die Terrororganisation Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel die aktivste Dschihadistenorganisation in dem Land. Die Huthi-Miliz war seit Sommer vergangenen Jahres auf Sanaa vorgerückt, im Januar übernahm sie mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt.

Der Jemen gehörte in der Region bislang zu den engsten Verbündeten der USA, wegen der anhaltenden Unruhen im Land hatte Washington seine Botschaft in Sanaa aber schon vor Wochen geschlossen.