Die US-Regierung geht nicht davon aus, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" für die Anschläge im Jemen verantwortlich ist. Es gebe keine Anzeichen für eine Verbindung zum IS, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Wahrscheinlicher sei, dass sich die Gruppe zu Propagandazwecken zu den Selbstmordanschlägen bekannt habe. Das Schreiben eines angeblichen IS-Ablegers werde derzeit geprüft, sagte Earnest. Zudem sollen die Strukturen und Netzwerke des IS im Jemen untersucht werden. Al-Kaida, das auch im Jemen aktiv ist, stritt eine Beteiligung an den Attentaten ab. Die Gruppe führe keine Anschläge auf Moscheen durch, sagte ein Sprecher des Terrornetzwerks. 

Der "Islamische Staat" hatte sich zuvor im Internet zu den Selbstmordanschlägen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa bekannt. Bei den Attentaten auf zwei Moscheen waren viele Menschen getötet worden. Rettungskräfte sprachen von mindestens 142 Toten und Hunderten Verletzten. Laut Augenzeugen waren es drei Selbstmordattentäter, die Gotteshäuser angriffen. In den Moscheen sollen vor allem schiitische Huthi-Rebellen gebetet haben.

Ein Angreifer ging Augenzeugen zufolge in die Badr-Moschee im Süden Sanaas und zündete dort seinen Sprengsatz. Als die Menschen in Panik nach draußen drängten, sprengte sich ein zweiter Attentäter mitten unter den Fliehenden in die Luft. Nach Recherchen des Fernsehsenders Al Jazeera soll sich unter den Toten auch der religiöse Führer der Huthis, Al-Murtada bin Zayd al-Muhatwari, befinden. 

Die zweite Moschee wurde im Norden der Stadt angegriffen. Der Augenzeuge Mohammed al-Ansi sagte, der Druck der Explosion habe ihn mehrere Meter weit weg geschleudert. "Köpfe, Beine und Arme der Getöteten lagen auf dem Boden der Moschee verstreut", sagte er. Viele Menschen seien von Glassplittern getroffen worden.

Der von den Rebellen betriebene Fernsehsender Al-Masira berichtete, die Attentäter hätten während der Mittagsgebete zugeschlagen, wenn sich besonders viele Gläubige in den Moscheen drängen.Er zeigte Bilder von Helfern, die Verletzte auf blutigen Decken davontrugen. Krankenhäuser riefen zu Blutspenden auf. 

Machtkampf zwischen gewählter Regierung und Huthi-Miliz

Am Donnerstag hatte der Machtkampf zwischen der Huthi-Miliz und Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi die südliche Küstenstadt Aden erreicht. Bei Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern des Präsidenten um die Kontrolle des Flughafens wurden mindestens elf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Ein Kampfflugzeug griff Hadis Residenz an, wo er seit seiner Flucht aus Sanaa lebt. Der Präsident sprach von einem "gescheiterten Putschversuch".

Im Jemen herrschen seit Jahren politisches Chaos und Gewalt. Dies nutzte die schiitische Huthi-Miliz aus, die seit Sommer vergangenen Jahres auf die Hauptstadt Sanaa vorrückte und diese im September erreichte. Im Januar übernahm die Miliz mit der Einnahme des Präsidentenpalastes die Kontrolle über die Hauptstadt, zwang Präsident Hadi zum Rücktritt und setzte ihn unter Hausarrest. Auch das Parlament wurde für aufgelöst erklärt.

Hadi gelang Ende Februar die Flucht nach Aden. Von dort aus zog der international anerkannte Präsident seine Rücktrittserklärung zurück und erklärte die im Süden gelegene Stadt zur neuen Hauptstadt.

Zuletzt waren im Januar bei der Explosion einer Autobombe vor der Polizeiakademie von Sanaa 37 Menschen getötet worden. Zu dem Zeitpunkt war die Stadt noch nicht vollständig in der Hand der Huthi-Miliz.