Der Staatsgründer von Singapur, Lee Kuan Yew, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er sei in der Nacht zum Montag (Ortszeit) friedlich verschieden, teilte die Regierung des Stadtstaates mit.

Der Vater des amtierenden Regierungschefs Lee Hsien Loong war Anfang Februar mit einer schweren Lungenentzündung in das Generalkrankenhaus von Singapur gebracht worden. Seitdem hatte sich sein Zustand immer weiter verschlechtert.

Tausende Einwohner des Stadtstaates waren vor der Nachricht vom Tod noch zum Krankenhaus gepilgert und hatten Blumen und Geschenke niedergelegt. Der Gründungsvater genoss großen Respekt bei den Einwohnern Singapurs – obwohl er das Land mehr als drei Jahrzehnte lang bis 1990 autoritär regierte.

Disziplin wichtiger als Demokratie

Mit strengem Führungsstil hatte Lee den kleinen asiatischen Stadtstaat in der Nähe des Äquators in den 1950er Jahren in die Unabhängigkeit geführt. Die rückständige Insel an der Südspitze Malaysias stieg innerhalb weniger Jahrzehnte in die Spitzengruppe der Länder mit dem höchsten Lebensstandard der Welt auf. Mit heute 5,4 Millionen Einwohnern ist Singapur eines der weltweit führenden Finanzzentren.

Disziplin war dem Juristen stets wichtiger als Demokratie, wie er selbst sagte. Das Wahlsystem sorgte dafür, dass seine Partei PAP jede Abstimmung seit der Unabhängigkeit 1965 gewann. 2011 kam sie mit 60 Prozent der Stimmen zu 81 von 87 Sitzen.

Die Medien in Singapur werden staatlich kontrolliert. Um Kritiker kümmert sich die Justiz: Lee und andere PAP-Politiker haben mehr als 20 Verleumdungsklagen angestrengt und stets gewonnen. Hohe Schadensersatzurteile führen meist zum Bankrott der Unterlegenen, diese können dann bei Wahlen nicht mehr antreten.