"Heldin der Ukraine" – diesen Titel hat Präsident Petro Poroschenko der Kampfpilotin Nadja Sawtschenko am Montag offiziell verliehen. Am heutigen Mittwoch hat er in einem Brief an Kremlchef Wladimir Putin ein weiteres Mal ihre sofortige Freilassung gefordert. Doch die 33-Jährige bleibt in Haft: Ein Moskauer Gericht lehnte einen Antrag auf Freilassung erneut ab, obwohl sich der Gesundheitszustand der Luftwaffenpilotin mittlerweile drastisch verschlechtert hat.

Sawtschenko war Ende Juni in Russland gefangen genommen worden. Dort wird ihr vorgeworfen, kurz zuvor der ukrainischen Armee die Position zweier russischer Journalisten übermittelt zu haben, die nahe der von Rebellen gehaltenen Stadt Luhansk bei einem Angriff der ukrainischen Regierungstruppen getötet wurden. Die Pilotin weist die Vorwürfe zurück. Sie gibt an, widerrechtlich entführt und nach Russland verschleppt worden zu sein. Seit Mitte Dezember befindet sich Sawtschenko im Hungerstreik.

Nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini schwebt Sawtschenko nach 82 Tagen im Hungerstreik in Lebensgefahr. In einer Erklärung schreibt Mogherini: "Nach so einem langen Zeitraum drohen ihr bleibende Gesundheitsschäden oder der Tod." Ein Mitglied des Menschenrechtsrats des Kreml hatte bereits vergangene Woche gesagt, Sawtschenkos Gesundheitszustand habe sich bedrohlich verschlechtert. Die junge Frau könne "innerhalb weniger Tage sterben" und müsse in Hausarrest verlegt werden. Die russischen Behörden erklärten hingegen, der Zustand der Gefangenen sei stabil.

Gericht hat Freilassung wiederholt abgelehnt

Auch Poroschenko sagte, er habe sich vor allem wegen des kritischen Gesundheitszustandes Sawtschenkos an Putin gewandt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der Agentur Interfax zufolge, falls Poroschenkos Brief angekommen sei, wisse er noch nichts davon.

Bereits vergangene Woche hatte das Moskauer Stadtgericht einen Antrag auf ihre Freilassung abgelehnt. Sawtschenko solle wegen der laufenden Ermittlungen in Haft bleiben, hieß es.

Die Europäische Union und die USA dringen auf ihre Freilassung. In der Ukraine machen sich zahlreiche Religionsgemeinschaften für Sawtschenko stark. Bei einer Friedenskundgebung im Zentrum Kiews beteten am Sonntag christliche und jüdische Geistliche für die Soldatin. Der orthodoxe Kiewer Patriarch Filaret sprach ihr für den "Kampf gegen den Teufel" den Sankt-Georgs-Orden zu. Wenige Tage zuvor hatte bereits die Ukrainische Katholische Universität Lemberg mitgeteilt, sie wolle Sawtschenko am 22. April den diesjährigen Preis "Licht der Gerechtigkeit" übergeben.