Die konservative Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die vorgezogene Parlamentswahl in Israel gewonnen. Nach Auszählung von 99 Prozent der Wahllokale kam seine Likud-Partei auf 30 der insgesamt 120 Sitze in der Knesset. Das Mitte-links-Bündnis Zionistische Union von Jitzchak Herzog stellt demnach 24 Abgeordnete.

Netanjahus Likud schnitt damit besser ab als erwartet. Der 65-jährige Regierungschef steht nun vor seiner vierten Amtszeit. Allerdings erwarten Netanjahu schwierige Koalitionsverhandlungen. Er habe die Parteien des rechten Lagers zur Bildung einer verantwortungsvollen Koalition eingeladen, sagte der Likud-Vorsitzende. Er werde sich für die Bildung einer "starken und stabilen" Regierung einsetzen und sie binnen zwei oder drei Wochen abschließen, berichteten israelische Medien.

Selbst für den Fall, dass Netanjahu einer großen Koalition mit dem Mitte-links-Bündnis zustimmen sollte, wäre er auf mindestens einen weiteren Partner angewiesen. Sowohl Netanjahu als auch sein Kontrahent Herzog hatten im Wahlkampf ein solches Bündnis abgelehnt. "Wir wollen keine Einheitsregierung", skandierten Likud-Anhänger in der Wahlnacht.

Knesset-Präsident Reuven Rivlin sprach sich dagegen nach der Veröffentlichung der Prognosen für eine große Koalition aus. "Ich bin überzeugt, dass nur eine Einheitsregierung den raschen Zerfall der israelischen Demokratie und baldige Neuwahlen verhindern kann", sagte er der Zeitung Ha'aretz zufolge.

Netanjahus Herausforderer Herzog sah am Wahlabend weiterhin Chancen, die nächste Regierung anzuführen. Vor Parteifreunden sagte er, er werde "jede Anstrengung" unternehmen, um die nächste Regierungskoalition zusammenzubekommen: "Alles ist noch offen." Er habe mit möglichen Koalitionspartnern gesprochen und fühle sich verpflichtet, eine "wirklich soziale Aussöhnungsregierung" zu formen.

Kritik an Netanjahu

Netanjahu hatte am Wahltag mit Warnungen vor "Massen arabischer Wähler" scharfe Kritik ausgelöst. "Kein westlicher Politiker würde es wagen, solche rassistischen Kommentare abzugeben", schrieb Shelly Jachimovich vom Zionistischen Lager. Das arabische Parteienbündnis wurde nach jüngstem Auszählungsstand mit 14 Mandaten drittstärkste Kraft. Darauf folgte die Zukunftspartei von Yair Lapid mit elf Parlamentssitzen. Der ehemalige Kommunikationsminister Mosche Kachlon mit der neuen Partei Kulanu, die für mehr soziale Gerechtigkeit eintritt, kam auf zehn Abgeordnete. Kachlon hatte den Likud aus Enttäuschung über Netanjahu verlassen.

Netanjahu hatte die Wahlen vorgezogen, nachdem seine Mitte-rechts-Koalition Ende vergangenen Jahres nach weniger als zwei Jahren im Amt auseinandergebrochen war. Daraufhin verbündete sich Herzog mit Ex-Außenministerin Zipi Livni und bildete die Zionistische Union. Er will die Beziehungen zu den Palästinensern und der internationalen Gemeinschaft verbessern und verspricht Entlastungen für den Mittelstand des Landes.