Russland hat sein Militärmanöver in mehreren Regionen des Landes deutlich ausgeweitet. Die Zahl der an der Übung teilnehmenden Soldaten sei auf 80.000 verdoppelt worden, sagte der russische Generalstabschef Waleri Gerasimow der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Zudem seien inzwischen 220 Kampfflugzeuge im Einsatz.

Unter anderem verlegte Russland Langstreckenbomber auf die vor einem Jahr annektierte ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim. Zudem wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums 3.000 Soldaten und schwere Waffen auf der Pazifikinsel Sachalin nahe Japan zusammengezogen. Am Dienstag war außerdem bekannt geworden, Russland wolle Iskander-Raketen in der Exklave Kaliningrad stationieren. Diese Raketen können auch mit nuklearen Sprengköpfen versehen werden und treffen Ziele in einer Entfernung von bis zu 500 Kilometern.

EU-Politiker werteten die am Montag gestartete Großübung als Drohgebärde Russlands, um Druck auf die EU-Staaten auszuüben. Die Staats- und Regierungschefs werden am Nachmittag zu einem zweitägigen Gipfeltreffen in Brüssel zusammenkommen. Auf der Agenda steht auch der Krieg in der Ostukraine. Schon vor dem Treffen stellte EU-Ratspräsident Donald Tusk klar, dass eine Debatte über eine Lockerung der Strafmaßnahmen für ihn ein Tabu darstelle. 

Seit Beginn der Ukraine-Krise vor einem Jahr hat die russische Regierung regelmäßig militärische Stärke gezeigt und Militärmanöver abgehalten. Regelmäßig werden vor den Grenzen der EU-Staaten russische Jets und Schiffe registriert – immer wieder in Sichtweite, doch noch in internationalen Gewässern und Luftraum.  

Litauen führt Wehrpflicht ein

Die an Russland grenzenden EU-Staaten fühlen sich zunehmend bedroht und beobachten genau, was an ihren Grenzen geschieht. Litauen hat sich zudem entschieden, vorübergehend die Wehrpflicht wieder einzuführen. Im Parlament in Vilnius stimmte eine große Mehrheit der Abgeordneten für den Vorschlag des nationalen Sicherheitsrates. In den kommenden fünf Jahren sollen zwischen 3.000 und 3.500 junge Männer pro Jahr eine neunmonatige Grundausbildung erhalten. Litauen hatte die Wehrpflicht 2008 abgeschafft. Verteidigungsminister Juozas Olekas sagte, die Wiedereinführung ermögliche, die Truppenstärke zu erhöhen und eine Reserve aufzubauen.

Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite sprach von einer wichtigen und dringend nötigen Entscheidung des Parlaments. "Es gibt Bedrohungen an unseren Grenzen und die Sicherstellung der nationalen Sicherheit sollte nicht nur unsere Priorität, sondern auch unsere Pflicht sein", sagte sie im litauischen Rundfunk. Ihre Regierung gehört in der Ukraine-Krise zu den lautesten Kritikern Moskaus. Die Ex-Sowjetrepublik dringt zudem vehement auf eine stärkere Nato-Präsenz in den baltischen Staaten.   

USA schickt Militärfahrzeuge in die Ukraine

Der Nato-Partner USA hat bereits zugesagt, die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken. Bis Ende März sollen die ersten US-Militärfahrzeuge in der Ukraine eintreffen, hieß es. Außerdem werde das Pentagon "in den kommenden Wochen" Humvee-Geländefahrzeuge sowie Drohnen vom Typ Raven an Kiew liefern, hieß es vergangene Woche in Washington. 

Die Ukraine bemüht sich auch um Waffen aus der EU und den USA. Nach Angaben des Präsidentenamtes sollen zudem in Kürze 780 Soldaten der Nationalgarde zu einer US-Militärausbildung schicken. Diesen Umfang hatte US-Vizepräsident Joe Biden in einem Telefonat dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko angeboten, teilte das Amt mit.

Russland hat den Einsatz westlicher Militärausbilder in der Ukraine als Gefahr für den Friedensprozess in der Krisenregion Donbass kritisiert. "Das hilft weder bei der Festigung des Vertrauens noch beim Abbau der Spannungen in dem Konfliktgebiet", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Die Arbeit westlicher Militärausbilder könne bei der Lösung der Krise nicht helfen.