Einen hohen Orden hat der russische Präsident Wladimir Putin dem tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow zuerkannt, wie der Kreml mitteilte. Die Auszeichnung wird nach Äußerungen Kadyrows zum Attentat auf den russischen Regierungskritiker Boris Nemzow kritisch gesehen.

Kadyrow hatte einen aus Tschetschenien stammenden Verdächtigen im Mordfall Nemzow als "tief religiösen Mann" gelobt. Einen weiteren Verdächtigen, der sich offenbar in Tschetschenien selbst in die Luft gesprengt hatte, bezeichnete Kadyrow als "mutigen Krieger". Insgesamt sitzen inzwischen fünf Verdächtige aus Tschetschenien wegen des Mordes an Nemzow in Haft. 

Dass die Ehrung nur gut eine Woche nach der Ermordung Nemzows erfolgte, wertete Putins Sprecher Dmitri Peskow als Zufall und begründet, derartige Auszeichnungen hätten einen mehrmonatigen Vorlauf.

Orden auch für Lugowoi

Kadyrow steht seit 2007 an der Spitze der russischen Teilrepublik Tschetschenien, von Menschenrechtsgruppen wird er scharf kritisiert. Er gilt als Verbündeter Putins, er ist ihm treu ergeben und unterdrückt einen Aufstand radikaler Islamisten in Tschetschenien. Kadyrow selbst aber hat islamische Regeln eingeführt, darunter die Kopftuchpflicht für Frauen.

Putin sprach nach Mitteilung des Kreml auch dem Abgeordneten Andrej Lugowoi einen Orden für "Dienste am Vaterland" insbesondere für die "Entwicklung des parlamentarischen Systems" und seine gesetzgeberische Tätigkeit zu. Der Geehrte wird von der britischen Polizei beschuldigt, den früheren russischen Agenten Alexander Litwinenko im November 2006 in einer Londoner Bar mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergiftet zu haben. Lugowoi bestreitet dies.