Indessen wird der Nachschub an tödlichen Drogen wie Thiopental-Natrium für die Henker knapp – und das liegt auch am wachsenden Widerstand im eigenen Land. Verschiedene Pharmaunternehmen haben aufgehört, Hinrichtungsdrogen zu verkaufen. Der Hersteller Akorn aus New Jersey teilte mit: "Unsere Mitarbeiter sehen sich der Gesundheit unserer Kunden verpflichtet. Wir unterstützen den Gebrauch unserer Medikamente für Hinrichtungen nicht und werden unsere Produkte nicht länger an Gefängnisse verkaufen." Zuvor hatten öffentliche Investoren wie der Staat New York Druck auf das Unternehmen ausgeübt.

Viele Ärzte- und Schwesternorganisationen in den USA verbieten ihren Mitgliedern schon jetzt, bei Exekutionen zu helfen. Nun schließen sich auch die Berufsverbände der Pharmazeuten an. Gerade haben zwei große Organisationen beschlossen, dass ihre Mitglieder keine Hinrichtungsdrogen mehr bereitstellen sollen – die International Academy of Compounding Pharmacists (IACP) und die American Pharmacists Association (APhA) vertreten landesweit Zehntausende Apotheker und Pharmavertreter. Die so genannten Compounding Pharmacists waren eigentlich die Ausweichmethode für Staaten wie Ohio, deren Giftvorräte zur Neige gehen: Diese Apotheker mischen Medikamente und verpacken sie neu.

Die Berufsverbände verbieten den Verkauf der tödlichen Giftcocktails nicht nur aus ethischen Gründen. Immer mehr Apotheker und Pharmavertreter befürchten auch rechtliche Schwierigkeiten, wenn sie Medikamente für Hinrichtungen per Giftinjektion zur Verfügung stellen – insbesondere dann, wenn der Hauptsitz ihres Unternehmens in einem Bundesstaat liegt, der die Todesstrafe abgeschafft hat.

Dazu wächst der Druck aus dem Ausland. Aus Europa dürfen nach einer Entscheidung der EU-Kommission keine Chemikalien für Hinrichtungen mehr exportiert werden; der Export von Narkosemitteln wie Pentobarbital ist nur noch unter strengen Auflagen möglich.

Europas Exportverbot unterstützt die amerikanischen Apotheker

Die US-Staaten, die nach wie vor hinter der Todesstrafe stehen, beeindruckt der Widerstand nicht. Unter ihnen gibt es einen "harten Kern" von sieben Bundesstaaten, die für die 35 Hinrichtungen 2014 verantwortlich waren. 80 Prozent davon fanden in Texas, Missouri und Florida statt. Während Staaten wie Ohio die Hinrichtungen zumindest aussetzen, suchen andere nach Alternativoptionen zum Gift.

Sie sind dabei auch bereit, auf Exekutionsmethoden auszuweichen, die ihre Gegner für noch archaischer halten als die Spritze. So hat Utah gerade beschlossen, öfter Erschießungskommandos zuzulassen – bereits 2010 war dort ein Verurteilter erschossen worden. Auch in Missouri und Wyoming gibt es Überlegungen, Todeskandidaten auf diese Weise umzubringen. Beide Staaten sowie Arizona erlauben auch die Gaskammer. Das Nachschubproblem führt also nicht dazu, dass die Todesstrafe abgeschafft wird – noch nicht.

In den Augen mancher Kritiker hat der Widerstand somit unerwünschte negative Effekte. Auch in Europa fragt sich mancher, ob das Exportverbot für tödliche Drogen nun zu vermeintlich grausameren Hinrichtungsmethoden führt. Man könne wohl von einem "Fluch der guten Tat sprechen", sagte der frühere Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), dem Tagesspiegel. Trotzdem solle man die Bestimmungen nicht lockern.

Mit dem Exportverbot unterstützen die Europäer die Bemühungen der US-amerikanischen Apotheker und Ärzte. Sie sind ein wesentlicher Teil der Zivilgesellschaft – und nur der Widerstand im Land selbst kann dazu führen, dass immer mehr Bundesstaaten sich von der Todesstrafe abwenden.