Das von der Staatspleite bedrohte Griechenland hat sich verpflichtet, in den nächsten Tagen eine vollständige Liste mit konkreten Reformvorschlägen vorzulegen und die Maßnahmen schnell umzusetzen. Das teilte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras nach einem nächtlichen Sondertreffen am Rande des EU-Gipfels in Brüssel am Freitagmorgen mit. Er schränkte jedoch ein: Sein Land mache keine Zusagen, die zu einem Schrumpfen der eigenen Wirtschaft führen könnten, sagte Tsipras.

An den Krisengesprächen über Griechenlands bedrohliche Finanzlage nahmen neben Tsipras unter anderem auch Kanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident François Hollande, Gipfelchef Donald Tusk sowie EZB-Präsident Mario Draghi teil. Bei dem Treffen wiederholten Tsipras' Gesprächspartner ihre seit Wochen im Raum stehenden Forderungen, die Regierung in Athen müsse einen Reformplan vorlegen, wenn sie mehr Geld haben wolle.

Eine frühzeitige Auszahlung ausstehender Notkredite wurde aber nicht zugesagt, sagte Merkel nach dem Gespräch. Es bleibe dabei, dass die Geldgeber-Institutionen vor einer Auszahlung neuer Milliardenhilfen eine Bestätigung der Reformvorhaben abgeben müssten, sagte sie in Brüssel. "Alles soll schnell gehen", betonte die Kanzlerin. Über konkrete Zahlen sei nicht gesprochen worden: "Die Runde war nicht geeignet, einen genauen Einblick in die griechische Finanzlage zu bekommen, aber klar ist auch, dass die Finanzlage nicht einfach ist", sagte Merkel.

Geld reicht bis April

Tsipras lobte die gemeinsamen Anstrengungen mit den Kreditgebern. "Wir sind optimistischer nach den Beratungen", sagte er nach dem Krisengespräch. "Alle Seiten haben versucht, das Beste zu tun und die Probleme der griechischen Wirtschaft zu lösen."

Basis bleibe die Vereinbarung der Euro-Finanzminister vom 20. Februar, heißt es in einer Erklärung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Gipfelchef Tusk und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. Im Vormonat war das Hilfsprogramm gegen Reformzusagen aus Athen um vier Monate verlängert worden. "Im Geiste des gegenseitigen Vertrauens sind wir alle bereit, die Arbeit zu beschleunigen und so schnell wie möglich abzuschließen", hieß es in der Erklärung. Die Eurogruppe sei bereit, so schnell wie möglich zusammenzukommen.

Die griechische Regierung steht nach eigenem Bekunden vor Liquiditätsengpässen. An diesem Freitag muss sie eine Überweisung an den Internationalen Währungsfonds in Höhe von 350 Millionen Euro leisten. Nach Regierungsangaben sieht sich Griechenland dazu in der Lage. Laut Experteneinschätzung reicht das Geld der griechischen Staatskasse bis Anfang April aus.