Nach dem Mordanschlag auf das Nationalmuseum in Tunis sind nach offiziellen Angaben neun Verdächtige festgenommen worden. Vier von ihnen stünden laut der Regierung in direkter Verbindung mit dem Attentat vom Vortag, fünf weitere würden verdächtigt, mit der verantwortlichen Zelle in Verbindung zu sein, erklärte die Präsidentschaft. Unterdessen bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu dem Anschlag.

Ersten Angaben zufolge waren bei dem Angriff mindestens 21 Menschen gestorben. Laut dem tunesischen Gesundheitsministerium hat sich die Zahl der Toten mittlerweile auf insgesamt 25 Menschen erhöht. Darunter seien 20 Urlauber, bei zwei Toten handele es sich um von Spezialeinheiten getötete Extremisten. Die Zahl der Verletzten gab das Ministerium mit 47 an.

Laut tunesischen Behörden handelte es sich bei den beiden getöteten Angreifern um die Tunesier Yassine Laabidi und Hatem Khachnaoui. Laabidi sei den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen, sagte Premierminister Habib Essid dem französischen Radiosender RTL, ohne nähere Angaben zu machen. 

Keine Deutsche unter den Toten

Die Herkunft der weiteren Toten ist noch nicht eindeutig geklärt. Nach Angaben der Regierungen in Rom, Tokio, Warschau und London starben vier Italiener, drei Japaner, zwei Polen und eine Britin. Tunesischen Quellen zufolge seien außerdem Urlauber aus Frankreich, Spanien, Kolumbien, Australien sowie drei Tunesier getötet worden. Deutsche Touristen sind offenbar nicht unter den Opfern. "Wir gehen davon aus, dass unter den Toten und den Verletzten keine deutschen Staatsangehörigen sind", teilte das Auswärtige Amt mit.

Unterdessen wurde am Donnerstagmorgen ein spanisches Paar im Nationalmuseum gefunden, das den Anschlag in einem Versteck überlebt hat.  Einem Vertreter des Zivilschutzes zufolge seien sie von einem Mitarbeiter des Museums an einen sicheren Ort gebracht worden. Gemeinsam hätten sie nach dem Angriff die gesamte Nacht im Museum ausgeharrt und seien erst am Morgen aus ihrem Versteck gekommen, berichtete der tunesische Radiosender Mosaique. Die Spanierin sei im vierten Monat schwanger.

Präsident kündigt "gnadenlosen Kampf" gegen Täter an

Nach Angaben von Regierungschef Habib Essid waren die Angreifer in Militäruniformen gekleidet und mit Kalaschnikows bewaffnet. Sie eröffneten demnach das Feuer auf die Touristen, während diese aus ihren Bussen stiegen, und verfolgten sie dann in das Innere des Gebäudes. Das Museum liegt direkt neben dem Parlament.

Präsident Béji Caïd Essebsi kündigte einen "gnadenlosen" Kampf gegen die Verantwortlichen an. Er sagte, das Land werde "bis zum letzten Atemzug" gegen seine Gegner kämpfen. "Diese grausamen Minderheiten jagen uns keine Angst ein", sagte der tunesische Staatschef. Der Präsident wolle, dass das tunesische Volk verstehe, dass sich das Land in einem Krieg gegen den Terrorismus befinde.

Das tunesische Parlament kam am Mittwochabend zusammen, um Schritte im Kampf gegen den Terrorismus voranzutreiben. Als die Attacke stattfand, hatten die Abgeordneten gerade über ein Anti-Terror-Gesetz debattiert.

IS-Miliz will für Anschlag verantwortlich sein

Zunächst hatte sich keine Terrorgruppe zu dem Anschlag bekannt. Am Donnerstagnachmittag erklärte dann der IS, für den Angriff verantwortlich zu sein. In einer im Internet verbreiteten Audiobotschaft wurden die Attentäter als "Ritter des Islamischen Staates" gewürdigt. Zugleich drohte die Terrormiliz mit weiteren Anschlägen.  

Laut Rita Katz, einer Sprecherin der Organisation Site, die Websites von Extremisten und Dschihadisten weltweit beobachtet, hatte sich der IS bereits vor dem Bekenntnis erfreut über die Attacke gezeigt und die Tunesier dazu aufgerufen, "ihren Brüdern zu folgen".

Nur wenige Stunden nach dem Anschlag strömten Tausende Tunesier auf die Avenue Habib Bourguiba, einem der Hauptschauplätze der arabischen Revolution, die in Tunesien ihren Anfang nahm. Demonstranten riefen immer wieder die Parole "Freies Tunesien".