Petro Poroschenko hat kurz vor seinem Besuch in Berlin erneut schärfere Sanktionen gegen Russland gefordert. Auf den Bruch der Waffenruhe in der Ostukraine müsse es eine Reaktion geben, sagte der ukrainische Präsident der Bild-Zeitung. "Das können weitere Sanktionen sein. Auf jeden Fall sollten die jetzt geltenden Sanktionen bis Ende des Jahres verlängert werden."

Das Minsker Abkommen sieht Poroschenko skeptisch. "Die Wahrheit ist, dass das Abkommen nicht funktioniert." Die von Russland unterstützten Separatisten würden die vereinbarte Waffenruhe nicht einhalten und auch nicht alle schweren Waffen von der Frontlinie abziehen.

Während sich sein Land an die Vereinbarungen gehalten habe, würden die Separatisten weiter feuern, oft mehr als 60 Mal am Tag, sagte Poroschenko. Für die Ukraine sei das Abkommen "Hoffnung, nicht Realität". Am Freitag hatte Poroschenko mit Blick auf die Lage in der Ostukraine insgesamt von Hinweisen auf eine Deeskalation gesprochen.    

Nach Angaben einer regierungsnahen Miliz wurden am Samstag bei Gefechten in der Nähe des zerstörten Flughafens von Donezk ein Kämpfer der Miliz sowie ein ukrainischer Soldat getötet. Die ukrainische Armee berichtete von einem weiteren Verletzten nach Gefechten mit Separatisten.

WM sollte boykottiert werden

Wegen des anhaltenden Krieges sprach sich Poroschenko auch dafür aus, die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland zu boykottieren. "Solange russische Truppen in der Ukraine sind, halte ich eine WM in diesem Land für undenkbar."

Poroschenko trifft am Montag Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. Hintergrund seiner Aussagen ist auch ein für Donnerstag geplantes Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU, auf dem auch über den Ukraine-Krieg gesprochen werden soll.

Deutschland und weitere Mitglieder der Europäischen Union wollen EU-Diplomaten zufolge vorschlagen, eine Aufhebung der Strafmaßnahmen gegen Russland an eine Umsetzung des Minsker Abkommens zu knüpfen. Dieses sieht einen Zeitplan bis Jahresende vor, um eine Deeskalation in der Ukraine zu erreichen. Damit könnten die Sanktionen frühestens 2016 aufgehoben werden.