Die russische Zeitung Nowaja Gazeta hat ein Interview mit einem russischen Soldaten veröffentlicht, der bei den Gefechten um Debalzewe schwer verletzt wurde. Der Soldat Dorschi Batomunkujew bestätigt darin, dass die russische Armee umfassend im Ukraine-Krieg beteiligt sei.

Batomunkujew trat seinen Angaben zufolge im November 2013 seinen einjährigen Wehrdienst an und entschied sich anschließend, drei Jahre als Berufssoldat zu dienen. Aufgewachsen in der Grenzregion zur Mongolei, war er anfangs in Ulan-Ude stationiert. Im Oktober, als noch der Waffenstillstand von Minsk I galt, wurde er einer neuen Panzerbrigade zugeordnet, in der ausschließlich Berufssoldaten zusammengefasst wurden. Von Ulan-Ude wurde die Brigade Ende Oktober zu einem Trainingsgelände in die ukrainisch-russische Grenzregion nahe Rostow am Don verlagert. Zehn Tage habe die Reise gedauert.

Schon auf den Zügen hätten sie ihre Panzer umlackiert, die Zeichen ihrer Einheit übermalt. "Zur Verschleierung" hätten sie auch ihre Abzeichen abgelegt. Allen sei klar gewesen, dass es in die Ukraine ginge. "Wir werden die Ukrainer bombardieren", hieß es unter den Kameraden.

An einem Übungsgelände seien jeden Tag Züge mit Soldaten eingetroffen. "Einer nach dem anderen", sagte Batomunkujew. Nach drei Monaten Übung hieß es, sie würden zurückkehren nach Ulan-Ude. Dann jedoch kam am 8. Februar der Befehl zum Aufbruch – "und wir fuhren rein." An dem Tag waren nach einem Krisentreffen in Moskau bereits neue Verhandlungen über ein Friedensabkommen in Minsk verkündet. Vor der ukrainischen Grenze hätten sie kurz in einem Wald gehalten und alle Papiere und ihre Telefone abgeben müssen. Da sei es bereits dunkel gewesen. In der Nacht seien sie dann in Donezk angekommen.

Verwundet bei Debalzewe

Verwundet wurde Batomunkujew am 19. Februar in Lohvynove, wenige Kilometer nordwestlich von Debalzewe, als die für die Separatisten kämpfenden Einheiten trotz der in Minsk II vereinbarten Waffenruhe die strategisch wichtige Stadt einnahmen.

Nach den Worten Batomunkujews wäre es ihm möglich gewesen, den Dienst in der Ukraine zu verweigern. Ob jene Soldaten sich dafür hätten rechtfertigen müssen, wisse er nicht. In Ulan-Ude habe es auch ein Offizier abgelehnt, in den Westen verlegt zu werden.

Vorab sei nie offiziell erwähnt worden, dass gegen die Ukraine gekämpft würde. Ein Generaloberst habe vor dem Jahreswechsel die zu dem Zeitpunkt noch bei Rostow stationierte Einheit besucht und allen die Hand geschüttelt, aber Donezk oder die Ukraine nicht erwähnt. Auch als der Marschbefehl gegeben worden sei, wurde der Kampf gegen die Ukraine nicht herausgestellt, keine patriotischen Reden gehalten, sagte Batomunkujew. Jeder habe gewusst, wohin es geht.