Die USA ändern offenbar ihre Strategie im Syrien-Konflikt. Statt Machthaber Baschar al-Assad grundsätzlich die Legitimation abzusprechen und seinen Rücktritt zu verlangen, scheint Washington nun doch zu Gesprächen bereit zu sein. 

"Letztendlich müssen wir verhandeln", sagte Außenminister John Kerry dem Fernsehsender CBS. Die USA seien zu Gesprächen mit Baschar al-Assad bereit, sofern dieser "seriöse Verhandlungen auf Basis der Genfer Vereinbarungen" akzeptiere. Man dränge Assad, genau das zu tun, sagte Kerry. Möglicherweise müsse der Druck auf den Machthaber erhöht werden, um ihn zu Gesprächen über einen politischen Übergang in Syrien zu zwingen.

Eine militärische Lösung schloss Kerry aus. Darüber herrsche breite Übereinstimmung. "Es gibt nur eine politische Lösung."

Kurz nach Ausstrahlung des Interviews relativierte Vize-Außenamtssprecherin Marie Harf Kerrys Aussagen. Die geäußerten Standpunkte bedeuteten keine Änderung der US-Politik, schrieb Harf auf Twitter. Kerry habe vielmehr die seit Langem bestehende Politik bekräftigt, dass es eines Verhandlungsprozesses bedürfe. "Kerry hat nicht gesagt, dass wir direkt mit Assad verhandeln würden", schrieb Harf. "Es gibt für Assad keine Zukunft in Syrien."

Westliche Staaten fordern schon lange die Absetzung Assads. Inzwischen existiert mit dem "Islamischen Staat" (IS) in Syrien allerdings auch ein gemeinsamer Gegner. So bombardieren die USA immer wieder IS-Ziele in Syrien und könnten damit indirekt auch den Regierungstruppen helfen. CIA-Chef John Brennan erklärte dazu, die USA beabsichtigten keinen Kollaps der Regierung Assads, da dies der IS-Miliz oder der Terrororganisation Al-Kaida nutzen könnte. Die sunnitischen Extremisten haben weite Teile Syriens eingenommen, wollen die Regierung in Damaskus stürzen und haben über die Grenze zum Irak hinweg ein Kalifat ausgerufen.

Der syrische Bürgerkrieg dauert seit vier Jahren an. Mindestens 210.000 Menschen haben bisher ihr Leben verloren. 450.000 sitzen nach Angaben der Syrischen Menschenrechtsliga in den Gefängnissen des Regimes.