In der letzten TV-Debatte vor der Parlamentswahl in Großbritannien haben sich die Vertreter der Oppositionsparteien gegenseitig angegriffen. Bei der Diskussionsveranstaltung warf die Chefin der Schottischen Nationalpartei (SNP), Nicola Sturgeon, Labour, der größten Oppositionspartei, vor, dass sich deren Wahlprogramm kaum von dem der regierenden Tories unterscheide. An Labour-Chef Ed Miliband gerichtet sagte sie, dessen Partei sei eine "Light-Version" der Konservativen von Premierminister David Cameron.

Sturgeon bot sich Miliband dennoch erneut als Koalitionspartnerin an, wenn bei der Wahl am 7. Mai weder die Tories noch Labour eine absolute Mehrheit erringen sollten. "Wir haben die Chance, David Cameron aus der Downing Street zu werfen. Verschließen Sie sich dem nicht, das werden Ihnen die Leute nie verzeihen", forderte die SNP-Chefin Miliband auf. "Ich fürchte, die Antwort lautet Nein", entgegnete der Labour-Chef jedoch. Sturgeon wolle eine erneutes Referendum für Schottlands Unabhängigkeit auf den Weg bringen und so das Land spalten, so Miliband. Er rief die Wähler auf, seiner Partei eine eigene Mehrheit zu verschaffen.

Neben Miliband und Sturgeon stellten sich auch der Chef der europakritischen UK Independence Party (Ukip), Nigel Farage, Grünen-Chefin Natalie Bennett und Plaid-Cymru-Chefin Leanne Wood den von den Zuschauern eingereichten Fragen zu Themen wie Einwanderung, Verteidigung und Staatsausgaben. Farage warf den Vertretern der anderen Parteien vor, "professionelle Karrierepolitiker" zu sein, die sich nicht für "das einfache Volk" einsetzen wollten.

Die Parteichefs stimmten lediglich in ihrer Kritik überein, dass Premierminister David Cameron sich nicht zur Teilnahme an der Veranstaltung bereit erklärt hatte. Ed Miliband rief den Regierungschef erneut auf, sich vor der Wahl einem TV-Duell mit ihm zu stellen. "David, wenn Sie denken, dass es bei dieser Wahl um Führungsstärke geht, debattieren Sie mit mir eins zu eins", sagte der Oppositionschef. Cameron hatte ein derartiges Duell abgelehnt und lediglich an einer Debatte mit Vertretern der sechs anderen großen Parteien des Landes vor zwei Wochen teilgenommen.

In Umfragen liegen Tories und Labour etwa gleichauf. Eine Regierungsbildung dürfte aber auch diesmal wieder nur mit Hilfe einer kleineren Partei möglich sein. Bei den Wahlen 2010 war in Großbritannien, wo das Mehrheitswahlrecht gilt, erstmals seit 1945 eine Koalitionsregierung notwendig geworden.