Angesichts der drohenden Staatspleite versucht die griechische Regierung offenbar, neue Geldquellen in China und Russland zu finden. Es gehe um bis zu 15 Milliarden Euro, berichteten die griechischen Wochenzeitungen Agorá und Karfí unter Berufung auf Regierungskreise. Zehn Milliarden Euro sollen demnach aus China kommen. Die Regierung in Peking könnte die Gelder als eine Art Vorauszahlung für die Nutzung des Hafens von Piräus und einen Einstieg bei der griechischen Eisenbahn leisten, berichtete Karfí.

Die Regierung in Athen hoffe zudem auf drei bis fünf Milliarden Euro aus Russland. Dieser Betrag könnte nach einem Bericht der Zeitung Agora als eine Art Vorschuss für künftige Transitgebühren für die geplante Erdgas-Pipeline Turkish Stream fließen. Russland möchte über Griechenland Energie nach Südosteuropa verkaufen.

Laut Medienberichten will Griechenland das Energieabkommen mit Russland bereits in der kommenden Woche unterzeichnen. "Am Dienstag wird in Athen mit einer hochrangigen russischen Delegation ein Vertrag unterzeichnet", sagte ein Vertreter aus griechischen Verhandlungskreisen der Nachrichtenagentur AFP.

Zuvor hatte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow allerdings reserviert gegeben. Griechenland könne nicht mit Finanzhilfen aus Russland rechnen, sagte er dem Radiosender Business FM. Moskau habe keine konkrete Finanzhilfe angeboten, und Athen habe keine beantragt. Bei ihrem Treffen Anfang April hätten Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Alexis Tsipras aber durchaus über eine Zusammenarbeit im Energiebereich gesprochen. Putin hat dem krisengeschüttelten EU-Staat Hunderte Millionen Euro an Transitgebühren in Aussicht gestellt, wenn er sich an der Gaspipeline Turkish Stream beteiligt. 

Schäuble begrüßt mögliches Energiegeschäft

Spiegel Online hatte berichtet, dass das Abkommen mit Russland bereits kommenden Dienstag unterzeichnet werden könnte. Drei bis fünf Milliarden Euro aus Russland sollen als Vorauszahlung auf künftige Einnahmen Griechenland aus den Transitgebühren fließen. Der Vorschuss soll erst ab 2019 erstattet werden müssen. Ein hochrangiger Beamter der griechischen Regierungspartei Syriza habe gesagt: Der Deal könne das Blatt für Griechenland wenden.

"Ja, es stimmt", zitierte die österreichische Zeitung Die Presse eine anonyme Quelle aus Verhandlungskreisen in Moskau. "Wir bereiten derzeit aktiv ein solches Abkommen vor. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es dazu kommen wird." Wenn nicht schon am Dienstag, so doch gegen Ende der Woche. Der von Spiegel Online genannte Rahmen von drei bis fünf Milliarden Euro klinge realistisch.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) würde ein mögliches Energiegeschäft Griechenlands mit Russland begrüßen. "Ich freue mich für Griechenland, wenn's so ist. Hoffentlich ist es so", sagte Schäuble in Washington am Rande der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. "Alles, was Griechenland hilft, ist gut." Das finanzielle Loch würde würde ein solches Geschäft aber vermutlich nicht stopfen. "Ich glaube nicht, dass es die Probleme löst, die Griechenland hat bei der Erfüllung des Memorandums of Understanding", sagte Schäuble mit Blick auf die Zusagen des Landes gegenüber seinen Geldgebern aus Europa und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Summe wäre vermutlich nicht groß genug.