Vor der erwarteten Bekanntgabe ihrer Kandidatur für die US-Präsidentschaft hat Hillary Clinton öffentliche Unterstützung von Amtsinhaber Barack Obama erhalten. "Ich denke, sie wäre eine hervorragende Präsidentin", sagte Obama am Rande des Amerika-Gipfels in Panama. "Sie war 2008 eine beeindruckende Kandidatin, sie war eine großartige Unterstützerin meines Wahlkampfes, sie war eine außergewöhnliche Außenministerin, sie ist meine Freundin."

Clinton habe eine klare Vision für das Land. Vor allem mit ihrer Erfahrung in der Außenpolitik aber auch in der Familienpolitik könne sie punkten, sagte Obama.

Es wird erwartet, dass die ehemalige First Lady und Außenministerin am Abend offiziell ihre zweite Kandidatur verkündet. Sie könnte als erste Frau an die Staatsspitze der USA rücken. 2008 hatte die Ehefrau des einstigen Präsidenten Bill Clinton das parteiinterne Vorwahl-Rennen der Demokraten gegen Obama verloren, der nun nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Für die 67-Jährige ist es wohl die letzte Chance auf das Präsidentenamt.

Chancengleichheit als Wahlkampfthema

Nach Angaben aus ihrer Umgebung will Clinton ihren Schritt über soziale Medien publik machen, vermutlich gegen 18 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. In den kommenden Tagen will Clinton in die Bundesstaaten Iowa und New Hampshire reisen, die frühzeitig Vorwahlen abhalten.

Experten zufolge muss Hillary Clinton die Wähler zu überzeugen versuchen, dass sie frische politische Ansätze zu bieten hat und bürgernah ist. In einer am Freitag veröffentlichten aktualisierten Einführung zu ihrem Buch Hard Choices über ihre Zeit als Außenministerin gab sie einen Hinweis darauf, dass sie Chancengleichheit für alle Amerikaner zu einem zentralen Wahlkampfpunkt machen und dabei ihren neuen Status als Großmutter – ihre Enkelin Charlotte wurde im September geboren – nutzen will.  

"Ich bin mehr denn je überzeugt, dass unsere Zukunft im 21. Jahrhundert von unserer Fähigkeit abhängt sicherzustellen, dass jedes Kind, geboren in den Bergen der Appalachen oder im Mississippi-Delta oder im Rio-Grande-Tal mit der gleichen Chance auf Erfolg aufwächst wie Charlotte", schrieb Clinton. Sie werde in ihrer Kampagne für die Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherheit für die Mittelschicht werben, sagten zwei ranghohe Berater der US-Demokratin.

Allerdings hat Clinton kürzlich einen Rückschlag erlitten. In der als Emailgate bekannt gewordenen Affäre war bekannt geworden, dass Clinton dienstliche Mails von ihrem privaten Account verschickt hatte. Inzwischen hat sie ihren kompletten E-Mail-Verkehr veröffentlicht.

Die Konkurrenz ist überschaubar

Im Gegensatz zu ihrem ersten Versuch 2008 muss Clinton bisher kaum befürchten, dass sie bei der Kandidatenkür der Demokraten gestoppt wird: Ein neuer Obama ist dort nicht in Sicht. Vizepräsident Joe Biden denkt zwar über einen Versuch nach, aber laut Umfragen hätte er keine Chance gegen Clinton.

Zur Gefahr für Clinton könnte schon eher Elizabeth Warren werden. Vor allem die Linken bei den Demokraten würden 2016 lieber die 65-jährige Senatorin aus Massachusetts als Kandidatin sehen. Die ehemalige Harvard-Rechtsprofessorin hat sich als Streiterin für die Mittelschicht einen Namen gemacht. Sie scheute auch nicht die Konfrontation mit Präsident Obama über Wirtschaftspolitik.

Chancenloser Außenseiter dürfte der linke Senator Bernie Sanders aus Vermont sein. Der 72-Jährige trägt den Titel "Sozialist" mit Stolz. Er hat offen erklärt, den Kampf mit Clinton aufnehmen zu wollen. Dass sein Angriff von links ihr etwas anhaben kann, ist zu bezweifeln.

Ein Newcomer auf der nationalen Bühne wäre der 52-jährige Martin O'Malley, der seine relative Jugend gegen Clinton ausspielen könnte. Der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Maryland gilt als ausgesprochen liberal: Er ist für die Abschaffung der Todesstrafe, die Legalisierung der Homo-Ehe, die Erhöhung des Mindestlohns und für strengere Waffengesetze. Auch O'Malley hat bereits angedeutet, dass er eine Kandidatur anstrebt.

Bei den Republikanern haben die Senatoren Ted Cruz und Rand Paul – beide Lieblinge der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung – ihre Kandidatur erklärt. Am Montag will auch Marco Rubio, Senator aus Florida, seine Kandidatur bekanntgeben. Zu den weiteren wahrscheinlichen Bewerbern gehört Exgouverneur Jeb Bush, Sohn und Bruder zweier ehemaliger Präsidenten.