Mehreren Medien zufolge wird die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton an diesem Wochenende ihre Bewerbung als Kandidatin der Demokraten für das Weiße Haus bekanntgeben. Wie die New York Daily News und die Washington Post berichten, werde sie ihre Ambitionen am Sonntag zunächst mit einem Internetvideo und auf Twitter verkünden. Clintons Sprecher wollten die Berichte nicht kommentieren.

Clinton gilt schon lange als aussichtsreichste Kandidatin der Demokraten. Die frühere US-Außenministerin hatte bislang stets erklärt, dass sie über eine Kandidatur nachdenke und ihre Entscheidung in den ersten Monaten dieses Jahres verkünden werde. Präsident Barack Obama, ebenfalls Demokrat, kann nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten.

Wenn es stimmt, was zwei Gewährsleute aus ihrem Umfeld berichten, dann setzt Clinton zum Auftakt ihrer Kampagne mehr auf persönliche Gespräche mit Bürgern anstatt auf Auftritte bei Großkundgebungen. So wolle Clinton den Fokus ihrer zweiten Präsidentschaftskandidatur mehr auf die Wähler und weniger auf ihre eigene Person legen. Das hatte Clinton schon bei ihrer erfolgreichen Bewerbung um das Senatsamt für New York im Jahr 2000 gemacht. Damals war sie mit einer "Zuhör-Tour" durch den US-Staat in den Wahlkampf gestartet.

Clinton hatte vor einigen Tagen zwei Etagen in einem Bürohaus im New Yorker Stadtteil Brooklyn gemietet, in dem ihr Wahlkampfteam untergebracht werden soll. Das hatte die Nachrichtenseite Politico berichtet. Nach Richtlinien der Wahlkommission müssen Kandidaten spätestens 15 Tage nach der ersten Wahlkampftätigkeit ihre Unterlagen für die Kandidatur einreichen.

Allerdings führt die frühere Außenministerin und First Lady schon seit einiger Zeit eine Art Schattenwahlkampf und tritt regelmäßig bei Veranstaltungen auf. Vergangenen Sommer veröffentlichte sie eine Autobiografie, die viele Beobachter als Bewerbungsschreiben für das Präsidentenamt deuteten. Daneben trommeln politische Interessengruppen wie Ready for Hillary, die formal unabhängig von der Demokratin sind, für eine Kandidatur Clintons.

Clinton gilt als Favoritin

Die Ehefrau des früheren Präsidenten Bill Clinton war 2008 im parteiinternen Vorwahlkampf an Barack Obama gescheitert. Ende November hatte der frühere Senator Jim Webb als erster Demokrat seine Präsidentschaftsbewerbung erklärt, Clinton gilt aber als große Favoritin. Bei den Republikanern strebt der erzkonservative Senator Ted Cruz ins Weiße Haus. Sehr wahrscheinlich tritt auch Jeb Bush an, der Ex-Gouverneur von Florida, Bruder des früheren Präsidenten George W. Bush und Sohn von Ex-Präsident George Bush.

Im Vorwahlprozedere dürfte der 67-jährigen Clinton daher anders als im Jahr 2008 nach gegenwärtigem Stand kaum ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Gleichwohl ist sie daher bemüht, den Bürgern zu zeigen, dass sie ihre Unterstützung verdient habe und eine mögliche Nominierung durch die Demokraten nicht als selbstverständlich ansehe.

Vor allem ziele ihre Strategie darauf ab, ihre Stärken auszuspielen. Freunde und Berater finden schon seit Langem, dass Clinton sich in kleineren Gruppen und Vier-Augen-Gesprächen wohler fühle, in denen sie ihre politische Expertise demonstrieren könne. Außerdem trete dabei ihre menschliche Wärme zutage, die sich manchmal vor großen Menschenmengen nicht in gleicher Weise zeige, hieß es.