Als sich Frankreich, Großbritannien, Deutschland, die USA, Russland und China Anfang April in Lausanne auf ein politisches Rahmenabkommen einigten, war dies ein historischer Durchbruch in den Atomverhandlungen mit dem Iran. Man war zuversichtlich, dass bis Ende Juni eine abschließende Einigung zwischen dem Iran und den E3+3-Staaten erreicht werden kann.

Doch bei aller Zuversicht bleibt unter Beobachtern und den beteiligten Akteuren die Sorge, dass in den verbleibenden Wochen noch etwas schiefgeht. Denn so angenehm vage die gemeinsame Erklärung vom 2. April formuliert ist, so gnadenlos detailliert wird der sogenannte Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) verfasst werden müssen.

Sorgen bereiten vor allem die innenpolitischen Verhältnisse in Washington und Teheran. Trotz des explizit multilateralen Formats sind die USA und der Iran zweifellos die Hauptakteure der Verhandlungen. Und in beiden Hauptstädten gibt es Widerstand gegen den Verhandlungsprozess. Der abschließende Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, wie gut die jeweiligen Regierungen ihre innenpolitischen Widersacher im Griff haben.

Und hier sind der iranische Präsident Hassan Ruhani und sein Außenminister Dschawad Sarif klar im Vorteil.

Unterstützung in der Systemelite

Als Sarif aus Lausanne zurückkehrte, empfing ihn schon am Teheraner Flughafen Mehrabad eine Menge jubelnder Menschen. Die Zeitungen am Folgetag zeigten ihn und sein Verhandlungsteam auf den Titelseiten. Der in den USA promovierte Chefdiplomat dürfte derzeit der mit Abstand beliebteste Politiker des Landes sein.

Und auch unter der Systemelite genießt Sarif Unterstützung und Vertrauen. Zwar ist allseits zu vernehmen, Kreise der Revolutionsgarden, das Parlament oder spätestens der Klerus und Revolutionsführer Ajatollah Chamenei würden den Verhandlungsprozess ins Stocken bringen. Doch diese Annahme ist irreführend.

Generalmajor Mohammad Ali Dschafari, Chef der Revolutionsgarden, ehrte nach dem Lausanner Abkommen das iranische Verhandlungsteam als "Kinder der Revolution". Er pries ihren Erfolg, die "Rechte der iranischen Nation" verteidigt zu haben. "Die Revolutionsgarden wertschätzen ihre aufrichtigen politischen Bemühungen", sagte Dschafari.

Generalmajor Hassan Firusabadi, als Chef der iranischen Streitkräfte ranghöher als Dschafari, gratulierte Revolutionsführer Chamenei und der iranischen Nation für die Errungenschaften von Lausanne. Firusabadi war es auch, der Monate zuvor erzkonservative Medien zu mehr Zurückhaltung in ihrer Kritik an Sarifs Team aufrief.

Chamenei bedient Skeptiker und Befürworter des Abkommens

Vehemente Kritik kommt dagegen aus Teilen des Parlaments – dem Madschlis. Besonders im Ausschuss für Nationale Sicherheit und Außenpolitik war man mit der Verhandlungsführung der iranischen Delegation unzufrieden. Als Antwort auf das Faktenpapier des amerikanischen Außenministeriums über die Details des Lausanner Abkommens veröffentlichte ein Unterausschuss des Madschlis' nun ein eigenes Papier.

Doch Parlamentspräsident Ali Laridschani hatte schon bei einer Pressekonferenz am 16. März klargemacht, dass es keiner Verabschiedung des Atomabkommens im Madschlis bedürfe. Schließlich seien sowohl der Hohe Nationale Sicherheitsrat als auch der Revolutionsführer am Entscheidungsprozess beteiligt. "Wir werden hier nicht die gleichen Schwierigkeiten haben wie die USA", sagte Laridschani.

Eine Woche nach dem Abkommen von Lausanne äußerte sich Revolutionsführer Chamenei öffentlich dazu. Er bremste die Euphorie und wies Beglückwünschungen zurück, da "noch nichts passiert" sei. Er wiederholte seine Skepsis gegenüber der Vertrauenswürdigkeit der E3+3-Staaten – vor allem der USA.

Doch zugleich stützte Chamenei erneut Sarif und sein Team: "Ich unterstützte die Verhandlungsführer mit all meiner Macht und werde sie weiterhin unterstützen." Er werde einem Abkommen zustimmen, sofern es "im Interesse der Nation" sei.

Deutlichere Stellungnahmen wird man von Chamenei nicht zu hören bekommen. Gerade bei einem derartig umstrittenen Politikum muss er stets Skeptiker und Befürworter gleichzeitig bedienen. Innenpolitisch wird es notwendig sein, alle Strömungen an einem möglichen Durchbruch teilhaben zu lassen – auch diejenigen, die stets mit Skepsis und Kritik aufwarteten.

In eben diesem Licht ist die Reise von Ali Akbar Salehi, dem Chef der iranischen Atomenergieorganisation, in die heilige Stadt Ghom zu sehen. Außenminister Sarif, selber terminlich verhindert, schickte seinen Verhandlungskompagnon Salehi am 11. April zu einer Versammlung von einflussreichen Geistlichen, um diese über Details der Verhandlungen in Kenntnis zu setzen. Salehi gelang es, diese zu überzeugen.

Innenpolitische Stabilität unter Ruhani

Dass die Ruhani-Regierung innenpolitisch derart fest im Sattel sitzt, liegt nicht nur an ihrem Verhandlungsgeschick, sondern ist auch darin begründet, dass sich das innenpolitische Klima seit seiner Amtsübernahme im Sommer 2013 insgesamt stabilisiert hat. Ruhani ist es gelungen, einen funktionalen Modus Operandi mit anderen wichtigen Institutionen zu finden wie dem Feststellungsrat, dem Hohen Nationalen Sicherheitsrat, aber auch dem Politbüro der Revolutionsgarden und dem Revolutionsführer.