Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sollen im Irak offenbar 185 Soldaten der Regierungstruppen nach ihrer Gefangennahme hingerichtet haben. Das irakische Militär dementiert die Exekutionen allerdings. Es seien zwar 13 Soldaten ums Leben gekommen, diese seien aber bei Kampfhandlungen getötet worden. Unter den Toten sei auch General Hassan Abbas Tufan, der Kommandeur der Ersten Division der irakischen Streitkräfte, sowie ein Brigadekommandeur und weitere Offiziere gewesen, bestätigte das Militär.

Die Massenhinrichtungen sollen erfolgt sein, nachdem die IS-Milizionäre zuvor eine irakische Militärbasis am Tharthar-See, 70 Kilometer nördlich von Ramadi, eingenommen hatten. Den Verteidigern war die Munition ausgegangen, hieß es. Nach der Erstürmung der Militärbasis sollen dann 140 Soldaten und Offiziere an Ort und Stelle erschossen worden sein, weitere 45 Männer seien nach Falludscha gebracht und dort hingerichtet worden. Falludscha, eine Stadt 70 Kilometer westlich von Bagdad, ist eine Hochburg des IS in der Provinz Anbar, die im Westen des Iraks liegt. 

Es wäre eines der schlimmsten Massaker des IS an Soldaten im Irak, seitdem die Extremisten-Miliz nach der Einnahme von Tikrit im vergangenen Sommer 1.300 Rekruten tötete. Der Verlust eines Divisionskommandeurs und anderer höherer Offiziere wirft nach Meinung von Beobachtern zudem ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, mit denen die irakischen Streitkräfte bei ihren Aktionen in Anbar zu kämpfen haben. Ein Gutteil der Provinz wird von der sunnitischen Islamistenmiliz IS beherrscht, die derzeit weiter vorrückt.

Die Provinzhauptstadt Ramadi ist umkämpft. Die reguläre irakische Armee, die hauptsächlich aus Schiiten besteht, konnte bislang den Fall Ramadis verhindern. Im Umland scheint sie aber gegen die gut ausgerüsteten IS-Kämpfer taktisch unterlegen zu sein. 

Fällt die Provinzhauptstadt Ramadi?

Wenn Ramadi vom IS erobert werden sollte, hätte das weitreichende Folgen. Ramadi ist mit 500.000 Einwohnern die größte Stadt der Provinz Anbar und hat damit große symbolische Bedeutung. Die Stadt liegt westlich von Bagdad am strategisch wichtigen Fluss Euphrat und ist ein Verkehrsknotenpunkt.

Offenbar rechnen inzwischen irakische Behördenvertreter damit, dass die Stadt fallen könnte. Sie sprachen eine Warnung an die Bevölkerung aus. Über 110.000 Menschen aus Ramadi sind inzwischen auf der Flucht, wie das Flüchtlingshilfswerk der UN mitteilt.