Saudi-Arabien weist die Forderung des Irans nach einem Ende seiner Luftangriffe auf die schiitischen Huthi-Kämpfer im Jemen zurück. "Der Iran hat nicht die Verantwortung im Jemen", sagte Außenminister Saud al-Faisal in Riad. Die Offensive sei sogar ausgeweitet worden: von 35 auf 120 Angriffe am Tag. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eine Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen.

Angesichts zahlreicher ziviler Opfer, der Zerstörung der Infrastruktur und der katastrophalen humanitären Situation im Jemen wuchs in den vergangenen Tagen die Kritik an den arabischen Luftangriffen. Besonders der Iran, dem Riad die militärische Unterstützung der schiitischen Huthi-Rebellen vorwirft, kritisiert die Intervention. Die UN, Russland sowie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) forderten zumindest eine Aussetzung der Kämpfe zur Lieferung von Hilfsgütern.

Ban sagte, es müsse "so bald wie möglich" ein Ende der Militäraktionen geben. Wenn der Friedensprozess wiederaufgenommen werde, ständen die UN bereit.

Der Sprecher der Militärallianz, der saudi-arabische Brigadegeneral Ahmed Assiri, sagte aber, die Luftangriffe würden fortgeführt. Es gebe "ausreichende Beweise, dass der Iran die Milizen unterstützt, bewaffnet und ausbildet". Experten sind sich dagegen uneins, ob Teheran den Huthi-Rebellen wirklich mehr als politische Unterstützung gewährt oder nennenswerten Einfluss auf ihr Vorgehen hat.

Das Militärbündnis will mit den Angriffen die Huthi-Rebellen zurückdrängen, die im Januar die jemenitische Hauptstadt Sanaa komplett unter ihre Kontrolle brachten und Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zur Flucht nach Aden und später nach Saudi-Arabien trieben. Während die Huthi-Rebellen mit Anhängern des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh verbündet sind, wird Hadi von anderen Teilen der Armee sowie sunnitischen Stammesmilizen unterstützt. Am heutigen Sonntag ernannte Hadi seinen früheren Ministerpräsidenten Chaled Bahah zum Vizepräsidenten. Die Huthis verlangen dagegen die Einrichtung eines Präsidentschaftsrates.

Huthi-Rebellen marschieren nach Osten

Ungeachtet der Luftangriffe marschieren die schiitischen Huthi-Rebellen auch im Osten des Landes auf. In der strategisch wichtigen Stadt Serwah 120 Kilometer östlich der Hauptstadt Sanaa errichteten sie Stellungen, um weitere Vorstöße in die östliche Provinz Marib zu unternehmen, wie Vertreter der regionalen Stämme, die ihre Waffen gegen die Huthis erhoben haben, berichteten.

Die Rebellen kontrollieren seit September 2014 die Hauptstadt Sanaa und drangen zuletzt in die südliche Hafenstadt Aden ein. UN-Stellen sprechen von mindestens 600 Toten in den vergangenen 20 Tagen und warnen vor einer humanitären Katastrophe.

In Sanaa landete derweil ein weiteres Flugzeug mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes. Die Maschine habe 32 Tonnen medizinische Hilfsgüter sowie Stromgeneratoren, Zelte und Ausrüstung zur Wasseraufbereitung gebracht, sagte eine IKRK-Sprecherin. Zusammen mit zwei Flugzeugladungen am Freitag sei der aktuelle Bedarf nun gedeckt. Von Sanaa würden erste Hilfsgüter nach Aden gebracht.