Kenia verlangt vom UN-Flüchtlingshilfswerk, das Lager Dadaab innerhalb von drei Monaten zu schließen und nach Somalia zu verlagern. Dies sagte Kenias Vizepräsident William Ruto. In dem Lager auf kenianischem Gebiet leben derzeit 330.000 Menschen, die meisten davon aus Somalia. Sollte das UNHCR der Aufforderung nicht nachkommen, würde Kenia die Flüchtlinge selbst umsiedeln, sagte Ruto.  

Hintergrund der Aufforderung ist ein Terroranschlag der somalischen Al-Shabaab-Miliz vor gut einer Woche. Die Terroristen hatten an einer kenianischen Universität in Garissa 147 Menschen erschossen. Das Dadaab-Flüchtlingslager beherbergt seit über 20 Jahren vor allem Somalis, die vor Bürgerkriegswirren und islamistischem Terrorismus in ihrem Heimatland geflohen sind. Kenianische Regierungsdokumente zeigen dem US-amerikanischen Sender CNN zufolge, dass das Terroristennetzwerk der Al-Shabaab ins Flüchtlingslager reiche.

Ein UNHCR-Sprecher betonte, bislang sei man über den Aufruf der Regierung zur Schließung nicht offiziell unterrichtet worden.

Eine Mauer an der Grenze zu Somalia

Vizepräsident Ruto betonte laut CNN, der Anschlag von Garissa werde Kenia so ändern wie der 11. September die USA verändert habe. Er kündigte zudem an, eine Mauer entlang der gesamten Grenze zu Somalia zu bauen, die sich über 700 Kilometer von Mandera bis Kiunga erstrecken werde. Damit soll künftig verhindert werden, dass Al-Shabaab-Anhänger nach Kenia gelangen. Sein Land müsse um jeden Preis geschützt werden, auch wenn dadurch der Handel mit Somalia leiden solle, sagte Ruto.

Das Flüchtlingslager besteht eigentlich aus fünf Camps rund um den Ort Dadaab – Ifo 1 und 2, Hagadera, Dagahaley und Kombioos. Sie wurden 1991, als in Somalia der Bürgerkrieg ausbrach, für ursprünglich 90.000 Bewohner errichtet. Doch aufgrund der zunehmenden Instabilität in dem Land, aber auch wegen der unzureichenden Nahrungsmittelversorgung in Somalia leben in dem Lager deutlich mehr Menschen als geplant. Nach einer Hungersnot hielten sich 2011 über 400.000 Menschen in den Camps auf. Aktuell sind dort nach Angaben des UNHCR 335.565 Menschen registriert.

Mit dem Angrifff auf christliche Studenten wollte die Al-Shabaab-Miliz Kenia zum Abzug seiner Truppen aus Somalia zwingen, wo sie am internationalen Einsatz gegen die Islamisten beteiligt sind. Als Reaktion flog Kenia wenige Tage später Luftangriffe gegen Al-Shabaab in Somalia und entsandte rund 5.000 zusätzliche Soldaten in das Land. Die Regierung hat zudem die Einstellung 10.000 neuer Polizisten versprochen. Viele somalische Konten wurden eingefroren und Geldtransfers verboten. Hilfsorganisation kritisierten allerdings, dass die Unterbindung von Geldtransfers vor allem arme Somalis treffe, die zum Überleben Geld von Familienmitgliedern im Ausland erhielten.