Maskierte Männer haben im Nordosten Kenias eine Universität angegriffen. Sie hätten an der Hochschule in der Stadt Garissa wahllos um sich geschossen und dabei auch zwei Wachleute am Zugang zum Campus getötet, teilte die Polizei mit. Nach Angaben des Innenministeriums starben insgesamt mindestens 15 Menschen.

Etwa 65 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte das kenianische Rote Kreuz mit. Mehrere von ihnen seien in einem kritischen Zustand.

Studenten flohen in Panik aus ihren Unterkünften, einige junge Männer ohne Hemd. Die Angreifer zogen in die Wohngebäude zurück, wo viele Studenten festsaßen. Polizisten und Soldaten umstellten das Gelände und versuchten, die Eindringlinge zu vertreiben. Nach Angaben des Innenministeriums nahmen sie einen der mutmaßlichen Angreifer fest.

Auch Stunden nach dem Beginn der Attacke blieb die Lage unübersichtlich. Bis zum Mittag seien 195 Menschen gerettet worden, hieß es. Es könnten aber noch zahlreiche christliche Studenten in der Gewalt der Extremisten sein, sagte Innenminister Joseph Nkaissery. Nach 535 Studenten werde gesucht. Muslimische Geiseln hätten die Angreifer bereits wieder freigelassen. Die Extremisten kontrollierten offenbar noch ein Wohnheim der Universität. Unter den Geiseln soll auch der Vize-Rektor der Universität sein.

Laut BBC bekannte sich die Al-Kaida-nahe Miliz Al-Shabaab zu dem Angriff. Ein ranghoher Sprecher der Gruppe sagte der Deutschen Presse-Agentur, es habe sich um "eine heilige Operation" mutiger Al-Shabaab-Kämpfer gehandelt. Die Islamistenmiliz aus dem benachbarten Somalia hatte immer wieder Anschläge in Kenia verübt. Unter anderem griff sie 2013 ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi an. Dabei waren mehr als 60 Menschen gestorben. 

Studenten, die entkommen konnten, sprachen laut Standard Digital von acht Angreifern. Die Angreifer wirkten laut Berichten mehrerer Medien wie Kirchgänger. Sie sollen den Eindruck hinterlassen haben, sie wollten als Studierende eine Morgenandacht besuchen.    

"Die Angreifer haben sich den Weg zum Haupttor der Universität Garissa gebahnt, indem sie die Sicherheitskräfte am Eingang gegen 5.30 Uhr niedergeschossen haben", hieß es in einer Polizeimitteilung. Anschließend sei es zu schweren Schusswechseln gekommen. Die Behörden forderten die Bevölkerung auf, dem Gelände fernzubleiben.

Deutschland stehe im Kampf gegen Terrorismus solidarisch zur Seite

"Jeder im Land ist dazu aufgerufen, wachsam zu sein, während wir unseren Feinden entgegentreten", hieß es in einer Mitteilung des Präsidenten Uhuru Kenyatta. Der deutsche Vizebotschafter in Kenia, Friedo Sielemann, erklärte: "Deutschland verurteilt diese schreckliche Terrorattacke auf die Universität Garissa – einen Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung – auf das Schärfste." Die Bundesrepublik werde dem Land im Kampf gegen den Terrorismus in Ostafrika solidarisch zur Seite stehen.

Garissa liegt im Südosten Kenias, etwa 330 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Nairobi. Bis zur Grenze zum Nachbarland Somalia sind es etwa 150 Kilometer. 

Die Sicherheitsbehörden in Nairobi versetzten ihre Mannschaften in Alarmbereitschaft – für den Fall eines Angriffes in der Hauptstadt.

Die mit Al-Kaida verbündeten Extremisten stiften in dem Land Unruhe, seitdem Kenia Truppen zur Unterstützung des Kampfes gegen Al-Shabaab nach Somalia geschickt hatte.

Schätzungen zufolge hat Garissa etwa 120.000 Einwohner. Die Universität wurde erst vor wenigen Jahren eröffnet. Sie ist die einzige öffentliche Hochschule in der Region.