Beim Gedenken zum 100. Jahrestag der Massaker an den Armeniern wird US-Präsident Barack Obama den Begriff Genozid vermeiden. Dies ließen Regierungsbeamte Vertreter der armenisch-amerikanischen Gemeinde bei einem Treffen in Washington wissen. Gleichwohl werde die US-Regierung anlässlich des Jahrestags "eine vollständige, offene und angemessene Anerkennung der Fakten" anmahnen, teilte das Weiße Haus mit.

Als Senator und Präsidentschaftskandidat hatte Obama die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich noch als Völkermord bezeichnet. Seit seinem Amtsantritt schreckt er jedoch davor zurück. Dies geschieht Beobachtern zufolge vor allem aus Rücksichtnahme auf die Türkei. Das Land ist ein wichtiger Verbündeter der USA.

Während des Ersten Weltkriegs waren im Osmanischen Reich nach Erkenntnissen von Historikern bei Massakern und Todesmärschen bis zu 1,5 Millionen christliche Armenier getötet worden. Die heutige türkische Regierung bezeichnet die Opferzahlen als überzogen und bestreitet das systematische Töten von Menschen.

Der Republikaner Adam Schiff zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung Obamas. "Die USA sind seit Langem stolz darauf, ein Leuchtturm der Menschenrechte zu sein, gegen Gräueltaten aufzustehen, sich schmerzhaften Kapiteln ihrer eigenen Geschichte und jenen von anderen zu stellen", sagte Schiff. "Dies kann nicht mit einer Politik der Komplizenschaft bei der Genozidverleugnung durch den Präsidenten oder den Kongress in Einklang gebracht werden."

Das Weiße Haus verteidigte die rhetorische Zurückhaltung indessen. Man könne zwar die Sicht der Menschen nachvollziehen, die sich andere Worte von Obama gewünscht hätten. Doch die US-Regierung halte die Herangehensweise für richtig, die Vergangenheit anzuerkennen, aber auch "unsere Fähigkeit aufrechtzuerhalten, uns mit regionalen Partnern darum zu bemühen, heute Leben zu retten." Die Regierung erklärte, dass Finanzminister Jacob Lew am Freitag in Armenien an einer Gedenkzeremonie teilnehmen werde.  

Die Weigerung der Türkei, die Massenmorde aufzuarbeiten, hatte zuletzt international Kritik ausgelöst. Der Deutsche Bundestag will die Massaker nun doch als Völkermord bezeichnen. Auch der Papst hatte das Wort zuvor benutzt und war dafür von der Türkei scharf kritisiert worden.