Polens Staatsoberhaupt Bronislaw Komorowski hat unter Protest der katholischen Kirche und der rechtskonservativen Opposition die Europarats-Konvention zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Kraft gesetzt. "Man muss sich prinzipiell auf die Seite der Opfer, auf die Seite der Schwächeren stellen", begründete Komorowski seinen Schritt, als er im Warschauer Sitz der Stiftung für Frauenrechte das von Polens Parlament beschlossene Gesetz zur Ratifizierung der Konvention unterschrieb. 

Die Ratifizierung der Konvention ist einen Monat vor den Präsidentschaftswahlen ein wichtiges Thema im polnischen Wahlkampf. Komorowskis konservativer Gegenkandidat Andrzej Duda, der in Umfragen deutlich hinter ihm liegt, und die Kirche lehnen das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ab. Die Konvention gefährde das traditionelle Familienmodell, weil sie sich gegen Geschlechterstereotypen richte, warnten sie.

Bischöfe warnen vor "neomarxistischer Gender-Ideologie" und "links-laizistischer Kultur"

Die Regeln der Konvention folgten einer "extremen neomarxistischen Gender-Ideologie", hatten die polnischen Bischöfe kritisiert. So würde statt des bisherigen Gesellschaftsmodells, das auf der christlichen Kultur beruhe, die "volle Freiheit und Selbstverwirklichung der links-laizistischen Kultur" propagiert. 

Zugleich sagten die Bischöfe, Gewalt gegen Frauen, Kinder und Männer verstoße gegen den christlichen Glauben. Statt die Ursachen von Gewalt wie Alkoholismus und Pornografie zu bekämpfen, sehe die Konvention vor, dass an Schulen sexuelle Freiheit propagiert werde, heißt es in der Erklärung der Bischofskonferenz. Die Bischöfe beziehen sich dabei auf Artikel 14, in dem es um Schullehrpläne geht.

Befürworter der Konvention betonen hingegen, dass in Polen jährlich 800.000 Frauen Opfer von Gewalt würden. Die Konvention verpflichtet die Staaten zu umfassenden und koordinierten Maßnahmen in der Prävention, bei Schutz- und Unterstützungsangeboten sowie im Straf-, Zivil- und Ausländerrecht.

Polen ratifizierte die Konvention als 17. der 47 Mitgliedstaaten des Europarates. Die deutsche Bundesregierung gehörte 2011 zu den ersten Unterzeichnern der Konvention; der Bundestag hat sie allerdings noch nicht ratifiziert. Auch die stark katholisch geprägten Länder Italien und Malta haben das Übereinkommen bereits in Kraft gesetzt.