Bei einem Luftangriff in Jemens Hauptstadt Sanaa sind mindestens zehn Menschen getötet worden. Dutzende erlitten Verletzungen, berichteten Anwohner im Vorort Hadschar Akasch. Der saudische Luftangriff richtete sich gegen ein nahes Camp der Huthi-Rebellen. Eine Luft-Boden-Rakete verfehlte jedoch ihr Ziel und schlug in dem Wohngebiet ein. Zu der getöteten Familie zählten zwei Männer, eine Frau und sechs Kinder.

Auf Antrag Russlands will sich der UN-Sicherheitsrat am Samstagabend mit dem Krieg im Jemen befassen. Die Beratungen sollen hinter verschlossenen Türen stattfinden. Moskau will eine Feuerpause erreichen. Nach UN-Angaben starben im Jemen allein in den letzten zwei Wochen mehr als 500 Zivilisten.

Eine von Saudi-Arabien geführte sunnitische Allianz bombardiert seit zehn Tagen Stellungen der Huthis im Jemen. Die schiitischen Aufständischen haben weite Teile des Landes im Süden der arabischen Halbinsel unter ihre Kontrolle gebracht. Das Königshaus in Riad betrachtet die Huthis als "Klienten" Teherans.

Blockade von Hilfslieferungen

Saudi-Arabien blockiert weiterhin mehrere Hilfslieferungen für den Jemen. Das Rote Kreuz will zwei Flugzeuge mit Sanitätsmaterial und 30 Tonnen Medikamente nach Sanaa fliegen, außerdem soll ein Boot Chirurgen nach Aden bringen. Dafür fordert das Rote Kreuz jedoch Sicherheitsgarantien von dem von Saudi-Arabien geführten Militärbündnis, das den Luftraum über dem Jemen sowie die Häfen des Landes kontrolliert.

"Unsere Lieferungen hängen immer noch fest", sagte eine Sprecherin der Organisation. "Die Lage verschlimmert sich aber, jede Stunde sterben Menschen im Jemen, wir müssen unsere Hilfe schnell ins Land bringen." Auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen beklagt, dass Flughäfen geschlossen sind und die Anfahrt auf Häfen beschränkt sei. So könnten bisher keine Helfer und Hilfsgüter entsendet werden. ma

Rebellen erobern Gefängnis

Die schiitischen Huthi-Rebellen haben beim Kampf um die jemenitische Stadt Dhale am Samstag das dortige Gefängnis erobert und Hunderte Häftlinge freigelassen. Die Aufständischen hätten die Gefangenen vor die Wahl gestellt, sich ihnen anzuschließen oder eingesperrt zu bleiben, sagten jemenitische Sicherheitsbeamte der Nachrichtenagentur AP.

Die Huthis hatten seit Tagen versucht, Dhale zu erobern, das auf dem Weg in die südlich davon gelegene Hafenstadt Aden liegt. Dort leisten ihnen nach wie vor lokale Milizen Widerstand, die dem geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi treu ergeben sind.

In Aden schlugen diese Milizen die Huthis weitgehend zurück. Dabei halfen ihnen die Luftangriffe der saudischen Koalition. Den Rebellen gelang es am Donnerstag, den Präsidentenpalast von Aden zu stürmen, am Freitag zogen sie sich allerdings wieder aus dem Gebäude zurück.