Mit einem überraschenden und weitreichenden Dekret hat der saudische König Salman die Thronfolge neu geordnet und die politische Spitze seines Landes weiter verjüngt. Erstmals in der modernen Geschichte Saudi-Arabiens wurde jetzt mit Innenminister Mohammed bin Nayef ein Mitglied der dritten Generation der Königsfamilie zum Kronprinzen ernannt. Der bisherige Thronanwärter Muqrin, der vom verstorbenen König Abdullah ernannte jüngste Sohn des Staatsgründers Abdulaziz, wurde kaltgestellt. Zum Vizekronprinzen beförderte Salman seinen Sohn Mohammed, der bereits als Verteidigungsminister eine der Säulen der neuen Führung ist. Mit diesen Personalentscheidungen, die der Thronrat aus den insgesamt 34 königlichen Familienzweigen mit Mehrheit billigte, stärkt Salman in erster Linie den Sudairi-Clan, dem er selbst entstammt.

Im Kabinett leitete der 79-jährige Monarch ebenfalls einen Generationswechsel und eine vermeintliche Modernisierung ein. Neuer Außenminister wurde mit Adel al-Jubeir, dem langjährigen Botschafter in Washington, erstmals ein Nichtmitglied der Königsfamilie. Er löst Prinz Saud al-Faisal ab, der 40 Jahre lang saudischer Chefdiplomat war und damit der am längsten amtierende Außenminister der Welt.

Gesundheitsminister wurde der Chef des Ölkonzerns Aramco, Khalid al-Falih. Er steht seit 2009 an der Spitze des Staatsunternehmens mit 60.000 Angestellten und soll sich künftig in erster Linie um die Krankenhäuser kümmern. Vor allem im Süden des Landes nahe der Grenze zu Jemen hatte es wegen der schlechten medizinischen Versorgung verwundeter Soldaten zahlreiche Beschwerden von Angehörigen gegeben.

Das Finanz- und Arbeitsministerium bekamen ebenfalls neue Chefs, während die einzige Frau in der Regierung, Nora al-Fayez, die seit 2009 amtierende Vize-Ministerin für Mädchenbildung, ihre Stellung verlor. Sie hatte sich zuletzt für Sportunterricht an staatlichen Mädchenschulen eingesetzt und damit das religiöse Establishment in dem erzkonservativen Königreich gegen sich aufgebracht.

Kronprinz Nayef, der in den Vereinigten Staaten studierte, gilt wie der designierte Außenminister Adel al-Jubeir als unbeirrt proamerikanisch. Innenpolitisch vertritt er im Kampf gegen Al-Kaida und den "Islamischen Staat" eine kompromisslose Linie. Unter seiner Regie wurde Al-Kaida in Saudi-Arabien entscheidend geschwächt und in den benachbarten Jemen vertrieben. Im August 2009 überlebte er ein Al-Kaida-Attentat in seinem Büro leicht verletzt. Zugleich legte der 55-Jährige ein großes Programm mit fünf Rehazentren auf, in denen umkehrwilligen Dschihadisten mit Islamunterricht, psychologischer Betreuung und großzügiger Sozialunterstützung eine Rückkehr in die Gesellschaft geebnet werden soll.

Neue Allianzen gegen den Iran

Als Innenminister lässt Nayef Menschenrechtler und Oppositionelle hart verfolgen. Vor allem der Fall des Bloggers Raif Badawi, der am 9. Januar neben der Juffali-Moschee in Jedda vor einer Menge Schaulustiger eine Prügelstrafe bekam, hat international breite Empörung ausgelöst. Prominente Menschenrechtler wurden in den vergangenen drei Jahren mit Prozessen überzogen und teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt. Auch die Zahl der öffentlichen Enthauptungen hat seit dem Thronwechsel im Januar drastisch zugenommen. In den ersten vier Monaten wurden 69 und damit bereits annähernd so viele Verurteilte mit dem Schwert geköpft wie im gesamten Jahr 2014.

Außenpolitisch sehen Kronprinz Mohammed bin Nayef und Vizekronprinz Mohammed bin Salman das iranische Hegemoniestreben als zentrale Bedrohung ihres Landes. Der Vizekronprinz ist mit seinen gut 30 Jahren der jüngste saudische Verteidigungsminister aller Zeiten. Als Chef der Streitkräfte spielt er eine zentrale Rolle beim Krieg im Jemen gegen die Huthi-Rebellen, der bisher mehr als 1.000 Tote und 5.000 Verletzte forderte.

In Syrien versucht Saudi-Arabien seit der Machtübernahme durch König Salman mit der Türkei und Katar eine neue Militärallianz gegen Baschar al-Assad zu schmieden, dem Hauptverbündeten des Iran in der arabischen Welt. Die von den drei sunnitischen Nationen unterstützten islamistischen Rebelleneinheiten konnten in den vergangenen Wochen vor allem im Norden Syriens eine Reihe wichtiger Siege gegen Assads Armee erringen. Ankara, Doha und Riad machen sich daher Hoffnungen, ihren mit dem Iran und der schiitischen Hisbollah alliierten Widersacher in Damaskus in absehbarer Zeit doch noch mit Gewalt zu stürzen.