Kubanische Staatschefs sind für ihre Rede-Exzesse längst berüchtigt: Raúls Bruder Fidel hat es bei einer Ansprache in Havanna schon mal auf sieben Stunden gebracht, dazugehörige Soldatenparaden noch nicht mitgerechnet. Und auch der Auftritt des kubanischen Staatschef Raúl Castro beim panamerikanischen Gipfel wird in Erinnerung bleiben: Zum ersten Mal eingeladen, hielt er in Panama-Stadt prompt eine Rede von 50 Minuten. Ursprünglich vorgesehen waren acht.

Dennoch geriet Castros Rede zur Nebensächlichkeit. Das Wichtige war der Handschlag: Raúl Castro und Barack Obama reichten sich die Hände, und saßen dann noch eine Stunde lang hinter verschlossenen Türen zusammen. Später sprachen sie über Diplomatisch-Allgemeines, berichteten über eine offene und freundliche Gesprächsatmosphäre und über eine geplante Annäherung beider Länder – trotz aller ideologischer Unterschiede. Einig waren sich beide Staatsmänner auch darin, dass dieses Projekt im Interesse beider Seiten liege, alles aber Zeit und Geduld brauche. 

Der Handschlag markiert den Beginn eines historischen Dialogs der beiden Nachbarländer – für Obama ist er aber auch eine Waffe. Seit Jahren frustriert es die US-Administration, dass sie bei diplomatischen Offensiven in Lateinamerika einfach nicht weiterkommt: Selbst gemäßigt US-freundliche Länder wie die regionale Großmacht Brasilien stellen sich immer wieder gegen die USA, teilweise reflexhaft, weil sie es gegenüber ihren Nachbarländern und ihrer eigenen Bevölkerung gar nicht anders rechtfertigen könnten. Zu schwer wiegt der Ruf der "US-Imperialisten", denen nicht zu trauen sei, weil sie sich im Lauf der Jahrzehnte immer wieder allzu sehr und zu schmutzig in die Geschicke des Kontinents eingemischt hätten und weil sie ihre militärische Überlegenheit und ihre Geheimdienste unfair einsetzten. Das größte Symbol für den Buhmann USA: Die politische und wirtschaftliche Blockade Kubas.

Am Ende steht Maduro isoliert da

Obamas Annäherungspolitik an Kuba ist nun der Versuch, diese Logik zu durchbrechen – und seine Gegner ihrer schärfsten Waffe zu berauben. Das hat schon Ergebnisse gezeigt. Venezuela war beim Panamerika-Gipfel durch seinen Staatschef Nicolás Maduro vertreten – und der hatte im Vorfeld des Gipfels eine große Show angekündigt. Er wolle den Imperialisten Obama zur Rede stellen, weil dieser kürzlich Sanktionen gegen wichtige Einzelpersonen aus dem Führungszirkel in Caracas erlassen hatte. Für einige Zeit sah es ganz danach aus, als würde Maduro die Versöhnungsparty zwischen Castro und Obama sprengen.

Zwar hielt Maduro auch seine Ansprache, doch Obama war nicht unter den Zuhörern. Stattdessen trafen sich beide Staatsmänner am Rande des Gipfels zu einer privaten Aussprache. Auch der ecuadorianische Staatschef Rafael Correa – ein Verbündeter Maduros – schimpfte kräftig auf die USA, wirklichen Widerhall fand das alles jedoch nicht. Correa kassierte von Obama die kühle Bemerkung, er wolle keine "Auseinandersetzungen der Vergangenheit" führen. Auch könne man mit dem Geschimpfe über die Vereinigten Staaten nicht von den Problemen in den eigenen Ländern ablenken.

Am Ende des Panamerika-Gipfels stand vor allem Maduro dumm da. Venezuelas Staatschef hatte vor dem Gipfeltreffen eine gemeinsame Erklärung gefordert, die die "einseitigen Zwangsmaßnahmen" gegen sein Land verdammen sollte. Doch sollte es dazu nicht kommen. Dagegen wurde Kritik an der Menschenrechtspolitik Maduros laut sowie die Sorge über die verheerende Wirtschaftslage in Venezuela.