Es war ein historischer Moment: US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Kollege Raúl Castro trafen sich am Samstag zu einem Gespräch in Panama-Stadt. Das Treffen auf dem Amerika-Gipfel war das erste dieser Art seit fast 60 Jahren. Castro lobte Obama als ehrenwerten Mann, der für die Politik seiner Vorgänger nichts könne.

Es werde natürlich weiterhin tiefe und bedeutende Differenzen zwischen den beiden Regierungen geben, sagte Obama. Auch Castro sagte, es werde Punkte geben, in denen man nicht übereinstimmen werde. "Wir können über alles reden, aber wir müssen geduldig sein, sehr geduldig", sagte der 83-Jährige.

Bereits im Dezember hatten beide Staatschefs angekündigt, die Beziehungen ihrer Länder grundlegend neu auszurichten und die jahrzehntelange Feindschaft überwinden zu wollen. Was bisher beschlossen wurde, was geplant ist und wo weiter Dissens besteht:

Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen

Seit Januar verhandeln die USA und Kuba über eine Wiederaufnahme der seit 1961 ausgesetzten diplomatischen Beziehungen. Die US-Regierung hofft, bald eine Botschaft in Havanna zu eröffnen. Bislang haben beide Länder lediglich eine Interessenvertretung in der jeweils anderen Hauptstadt. Außerdem will Obama laut einem US-Regierungsvertreter "in den nächsten Tagen" entscheiden, ob Kuba von der US-Liste der Unterstützerstaaten des Terrorismus gestrichen wird.

Lockerung von Wirtschaftssanktionen

Castro betonte in Panama, die seit 1960 verhängten und 1962 unter US-Präsident John F. Kennedy zu einem vollen Embargo ausgeweiteten US-Handelsbeschränkungen müssten "gelöst werden". Die US-Regierung hat die Sanktionen Mitte Januar bereits gelockert, komplett aufgehoben werden können sie aber nur mit Zustimmung des Kongresses. Gemäß der neuen Regelung dürfen Exil-Kubaner in den USA bis zu 2.000 Dollar (1.840 Euro) monatlich an Verwandte in der Heimat überweisen, vier Mal so viel wie bisher. Die Exportbeschränkungen für bestimmte Güter für den Hausbau, die Landwirtschaft und kubanische Privatunternehmer wurden aufgehoben.

US-Telekommunikationsunternehmen können auf Kuba Geschäfte machen. Dadurch soll die Bevölkerung des kommunistischen Inselstaates besseren Zugang zu Handys und zum Internet bekommen. Vergangenen Monat stellten die USA und Kuba die direkte Telefonverbindung zwischen beiden Ländern wieder her. US-Finanzinstitutionen dürfen bei kubanischen Banken Konten eröffnen, um den Zahlungsverkehr zu vereinfachen. Reisende können auf der Karibikinsel neuerdings mit US-Kreditkarten zahlen.

Vereinfachtes Reisen

Touristen aus den USA dürfen auch weiterhin nicht auf eigene Faust nach Kuba fahren. In einer Reihe von Fällen wurde das Reisen aber erleichtert, etwa für Wissenschaftler und Journalisten. Auch Familienbesuche, Bildungsreisen und organisierte Besuche mit religiösem oder sportlichem Hintergrund sind nun mit deutlich geringerem bürokratischen Aufwand möglich. US-Bürger dürfen bei ihrer Rückkehr Güter im Wert von bis zu 400 Dollar mitführen, darunter einhundert Dollar an Alkohol und Tabakprodukten.

Guantánamo

Differenzen bestehen über die Zukunft des US-Militärstützpunkts Guantánamo im Südosten Kubas. Havanna verlangt die Rückgabe des Gebiets und betrachtet einen Anfang des 20. Jahrhunderts geschlossenen Pachtvertrag als ungültig. Die USA wollen die strategisch wichtige Basis dagegen nicht aufgeben.

Enteignungen in Kuba

Schwierig ist auch die Frage der Entschädigung von US-Bürgern und Unternehmen, deren Besitz während der kubanischen Revolution verstaatlicht wurde. Washington schätzt die Summe der Entschädigung auf fast sieben Milliarden Dollar.

Menschenrechte und Demokratie

Obama sagte nach dem Treffen mit Castro, es blieben deutliche Differenzen, und sie hätten "sehr unterschiedliche Ansichten darüber, wie eine Gesellschaft organisiert sein sollte". Er habe Castro deutlich gemacht, "dass wir nicht aufhören werden, über Themen wie Demokratie, Menschenrechte sowie die Versammlungs- und Pressefreiheit zu sprechen". Die USA kritisieren seit Langem die Einschränkung der Bürgerrechte in dem kommunistischen Staat und die Verfolgung von Dissidenten und die Unterdrückung der Opposition.