Die USA wollen sich auf diplomatischem Wege über ein Flugmanöver der russischen Luftwaffe beschweren. Dies kündigte Pentagon-Sprecher Mark Wright gegenüber dem US-Sender CNN an. Am Dienstag war ein US-Aufklärungsflugzeug über der Ostsee nördlich von Polen von einem russischen Kampfflugzeug abgefangen worden. Nach Darstellung des Nato-Mitglieds USA befand sich das Flugzeug in internationalem Luftraum.

Laut dem russischen Generalmajor Igor Konaschenkow habe das Flugzeug seinen Transponder abgestellt und auf russischen Luftraum zugehalten. Um das Ziel zu identifizieren, sei ein Kampfflugzeug vom Typ Suchoi Su-27 aufgestiegen. Die Su-27 habe das Aufklärungsflugzeug vom Typ Boeing RC-135U mehrfach umflogen und die am Heck vermerkte Flugnummer an die Bodenstation gefunkt. Konaschenkow sagte, US-Aufklärungsflugzeuge sollten ausschließlich entlang der US-Grenzen fliegen.

Wright sagte, die Besatzung des US-Flugzeugs habe das Manöver des russischen Piloten als aggressiv, unsicher und unprofessionell gewertet. Die Su-27 sei in unmittelbarer Nähe und mit hoher Geschwindigkeit geflogen. Das Europäische Kommando der US-Streitkräfte (US-EUCOM) schrieb auf Twitter, das US-Flugzeug habe sich an die Bestimmungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) gehalten. Die Aussage, der Transponder sei abgeschaltet gewesen, stimme nicht, sagte ein Sprecher der US-EUCOM.

Der Moskauer Außenpolitiker Konstantin Kossatschjow sagte, Russland sei im Gegensatz zu den USA ein Ostsee-Anrainer. Kossatschjow forderte den Westen auf, "keine Hysterie zu schüren" und Russland nicht als Aggressor zu "dämonisieren". Die russischen Flüge hätten im Einklang mit internationalem Recht stattgefunden.

Abfangmanöver sind nicht unüblich, traten aber im vergangenen Jahr stark gehäuft auf, besonders provoziert durch die russische Luftwaffe. Wie die Nato berichtete, wurden im vergangenen Jahr 400 Mal russische Militärmaschinen abgefangen, die sich dem Luftraum der Allianz genähert hatten.