Die Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck zum Völkermord an den Armeniern haben eine diplomatische Krise mit der Türkei ausgelöst. "Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen", teilte das türkische Außenministerium mit.

Gauck hatte die Massaker an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Er setzte sich damit über Bedenken hinweg, wonach die Einordnung des damaligen Geschehens als Völkermord die Beziehungen zur Türkei beschädigen könnte. 

Die Türkei reagierte scharf auf die Worte von Gauck. Dieser habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die Regierung warnte vor "langfristigen negativen Auswirkungen" auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Am Freitag hatte sich auch der Bundestag der Bewertung Gaucks angeschlossen. "Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord", sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert. Redner aller Fraktionen teilten diese Einschätzung.

Die Massaker im Osmanischen Reich begannen am 24. April 1915 mit der Verhaftung Hunderter Intellektueller in Konstantinopel (Istanbul). Im Kampf gegen das christliche Russland warf die osmanische Regierung den Armeniern vor, mit dem Feind zu paktieren. Nach Schätzungen kamen zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung "Völkermord" ab.