Ein Putschversuch im ostafrikanischen Burundi hat zu Kämpfen zwischen verschiedenen Teilen der Armee geführt. Armeechef Prime Niyongabo sagte im Hörfunk, die Regierungstruppen kontrollierten die Lage weiterhin. Er stellte sich damit gegen General Godefroid Niyombare, der am Mittwoch den Präsidenten Burundis, Pierre Nkurunziza, für abgesetzt erklärt hatte. Auch der Präsident selber erklärte, vom benachbarten Tansania aus, den Putsch für gescheitert.

In der Hauptstadt Bujumbura ist die Situation allerdings unübersichtlich: Unterstützer und Gegner des Präsidenten bekämpften sich in der Nacht rund um den Sitz des staatlichen Fernseh- und Radiosenders mit Maschinengewehren und Raketenwerfern, wie Vertreter der Armee und Augenzeugen berichteten. Im Zentrum der Stadt waren laute Explosionen und vereinzelt Geschützfeuer zu hören. Journalisten berichteten von Angriffen der zum Präsidenten stehenden Armeeteile auf private Rundfunkstationen.

Am Mittwochabend hatte der General und frühere Geheimdienstchef Godefroid Niyombare im privaten Radiosender Insaganiro verkündet, Präsident Nkurunziza sei abgesetzt und die Regierung aufgelöst. Er habe "zahlreiche" hohe Offiziere, aber auch Polizisten hinter sich. Zu den ihn unterstützenden Generälen gehöre Silas Ntigurirwa, der bis vor Kurzem Kommandeur der Einsatztruppe der Afrikanischen Union in Somalia war. Niyombare sagte, der Hauptstadtflughafen stünde unter der Kontrolle seiner Truppen, wodurch Präsident Nkurunziza nicht von einem Gipfeltreffen im benachbarten Tansania zurückkehren könne. Den vermeintlichen Putsch hatten zunächst Tausende Gegner des Präsidenten gefeiert.

Die erste Amtszeit gelte nicht

Die Unruhen entzündeten sich an der Entscheidung von Präsident Nkurunziza, ein drittes Mal für das Amt zu kandidieren. Damit verstößt er aber gegen die Verfassung, die lediglich zwei Amtszeiten vorsieht. Nkurunziza argumentiert, seine erste Amtszeit gelte nicht, da er damals vom Parlament und nicht direkt gewählt worden sei. Die Präsidentschaftswahl ist für den 26. Juni angesetzt.

Sein Gegner, der nun den Putsch ausgerufen hat, war im Februar seines Amts als Geheimdienstchef enthoben worden, nachdem er dem Präsidenten von der erneuten Bewerbung abgeraten hatte. Nun kündigte er ein "Komitee zur Wiederherstellung der nationalen Eintracht" an.

Seit Ende April sind während der Proteste bislang 15 Menschen getötet und mehr als 220 verletzt worden. Mehr als 50.000 Menschen flohen in Nachbarländer.

Die US-Regierung forderte ein Ende der Gewalt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief zur Ruhe auf. Frankreich forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, die im Laufe des Tages stattfinden könnte. Das Auswärtige Amt warnte vor Reisen in das Land.

Burundi ist ein Binnenstaat in Ostafrika und liegt am Tanganjika-See. Im Norden grenzt das Land an Ruanda. Dem Human Development Index zufolge ist Burundi eines der ärmsten Länder der Welt.