Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Großbritannien setzt sich das seit einem Jahr andauernde Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden größten Parteien fort.

Laut einer jüngsten Umfrage hat die oppositionelle Labour Party momentan knapp die Nase vorn. Die Sozialdemokraten um Herausforderer Ed Miliband kommen aktuell auf 34 Prozent, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Instituts YouGov für die Zeitung Sun hervorgeht. Die Konservativen von Premierminister David Cameron liegen demnach bei 33 Prozent, die Ukip bei 17, die Liberaldemokraten bei 8 und die Grünen bei 4 Prozent.

Doch die Ergebnisse solcher Befragungen widersprechen einander. Eine BBC-Umfrage hatte kürzlich noch einen leicht anderen Ausgang prognostiziert. Demnach würden die Konservativen bei 34 Prozent, die Labour-Partei bei 33 Prozent liegen. Keine der beiden Parteien hätte damit die notwendige absolute Mehrheit von 326 Sitzen im britischen Unterhaus.

Die schottischen Nationalisten (SNP), die nur in Schottland antreten, könnten Meinungsumfragen zufolge drittstärkste Kraft werden. Dann wäre die Partei nötig, um das Macht-Gleichgewicht nach dem 7. Mai zu halten. Experten meinen, als Folge dieser Fragmentierung könnte Großbritannien vor einer ungewohnten Instabilität stehen. Doch auch eine Alleinregierung der Torys würde die Unsicherheiten verschärfen. Mit dem für spätestens 2017 geplanten EU-Referendum könnte dann ein Austritt Großbritanniens aus der EU möglich werden. 

EU-Befürworter Miliband aber ist nicht um jeden Preis zur einer Regierungsübernahme bereit. Während die SNP-Vorsitzende Nicola Sturgeon zusagte, eine Labour-Minderheitsregierung zu unterstützen, schließt Miliband eine Zusammenarbeit mit der SNP nach der Wahl weiterhin aus. 

"Keine Labour-Regierung mit der SNP"

"Wenn es einer Koalition mit der SNP bedürfte, um eine Labour-Regierung zu bekommen, wird es keine Labour-Regierung geben", sagte Miliband in einem Interview mit dem Guardian. Sturgeon erklärte daraufhin, Milibands Aussagen stärkten letztlich den Amtsinhaber David Cameron

Die Konservativen nutzen eine mögliche Kooperation zwischen Labour und SNP, um Ängste zu schüren. Cameron nannte sie eine "gefährliche Allianz" mit einer Partei, die nicht wolle, dass Großbritannien erfolgreich ist oder überhaupt existiert.

Doch auch der Amtsinhaber muss weiter kämpfen – und das möglicherweise noch mehr, nachdem ihm eine Woche vor der Parlamentswahl ein unvorteilhafter Versprecher unterlaufen war. "Die anstehende Wahl ist ein entscheidender Moment für meine Karriere", sagte Cameron am Ende der letzten Fernsehdebatte am Donnerstagabend – um sich umgehend zu korrigieren: "Ein entscheidender Moment für das Land."

Eine Reaktion der Labour-Partei ließ nicht lang auf sich warten. Die Äußerungen Camerons zeigten, "dass er seine Karriere vor das Land stellt", kritisierte der Abgeordnete Jon Ashworth. Patrick O'Flynn, Wahlkampfchef der EU-feindlichen United Kingdom Independence Party (Ukip), schrieb auf Twitter: "Es ist gut zu wissen, an wen er in diesem für unser Land so wichtigen Augenblick denkt."