Im Führungsstreit des rechtsextremen Front National (FN) in Frankreich will Parteichefin Marine Le Pen ihrem Vater Jean-Marie jede Äußerung im Namen der Partei verbieten lassen. "Jean-Marie Le Pen soll sich nicht mehr im Namen des Front National äußern können, seine Äußerungen verstoßen gegen die Parteilinie", sagte die Parteichefin am Sonntag. Es gehe nicht, dass er dadurch der Partei schade.

Ihr unter anderem wegen Volksverhetzung mehrfach verurteilter Vater hatte die rechtsextreme FN im Jahr 1972 mitgegründet und vier Jahrzehnte lang geführt. Anfang 2011 trat er den Parteivorsitz an seine Tochter ab.

Am Montag berät ein Exekutivkomitee Front National über die jüngsten Äußerungen des Gründers und langjährigen Patriarchen der rechtsextremen Partei. Der 86-Jährige hatte einmal mehr die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als "Detail" der Geschichte bezeichnet. Daraufhin brach Marine Le Pen mit ihrem Vater und zwang ihn zum Verzicht auf eine Spitzenkandidatur bei den Regionalwahlen im Dezember.

In dem Interview am Sonntag legte Marine Le Pen nochmals nach. "Seine letzten Taten sind untragbar." Ihr Vater habe die ihm als Ehrenpräsident der Partei zustehenden Vollmachten weit überschritten. "Ich habe das Gefühl, dass er nicht erträgt, dass die Front National weiter existiert, seitdem er nicht mehr die Führung innehat." Dies bedauere sie sehr, fügte Marine Le Pen hinzu.

Seit der Übernahme der FN-Führung im Jahr 2011 versucht Marine Le Pen, ihre Partei aus der rassistischen und antisemitischen Ecke zu holen, um sie für eine breitere Schicht wählbar zu machen. 

Gleichzeitig übte die Rechtspopulistin am Sonntag Kritik an der europäischen Einwanderungspolitik. Sie forderte Frankreich auf, Bootsflüchtlinge übers Mittelmeer zurück an ihren Ausgangspunkt zu schicken. Schlepper müssten wissen, dass "kein Migrant an unseren Küsten landen wird", sagte Le Pen.

Am Wochenende hatten italienische Schiffe mehr als 4.200 Flüchtlinge auf der gefährlichen Überfahrt von Nordafrika nach Europa gerettet. Zuvor hatte es in den vergangenen Wochen mehrfach katastrophale Schiffsunglücke mit jeweils Hunderten von Toten gegeben. Die Europäische Union korrigierte daraufhin ihre Flüchtlingspolitik und baute den Rettungseinsatz im Mittelmeer aus.