Der Stand im griechischen Reformprozess ist weiterhin unklar. Während Deutschland und die EU-Kommission die Regierung in Athen in den Gesprächen mit den Geldgebern zur Eile ermahnt, spricht Premier Alexis Tsipras bereits von einer Einigung in greifbarer Nähe. Schon am 5. Juni muss Griechenland rund 300 Millionen Euro an den internationalen Währungsfond zurückzahlen, wofür nach Regierungsangaben nicht genug Geld vorhanden ist.

Der Zeitdruck sei hoch, betonte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei einem Besuch in Lissabon: "Nicht nur jede Woche, sondern jeder Tag ist entscheidend." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich in den ARD-Tagesthemen überrascht, dass in Athen von einer bevorstehenden Einigung gesprochen werde. "In der Sache sind die Verhandlungen zwischen den drei Institutionen und der griechischen Regierung noch nicht sehr viel weitergekommen", sagte Schäuble. Einen Schuldenerlass oder Finanzspritzen wies er erneut zurück.

Auch die EU-Kommission erhöhte den Druck auf die Athener Regierung. In den Verhandlungen über ein griechisches Reformpaket müsse so schnell wie möglich ein Übereinkommen erreicht werden, forderte der Vizechef der Behörde, Valdis Dombrovskis, in Brüssel. Bei den Gesprächen gehe es schrittweise voran.

Mit Blick auf Gerüchte, wonach die Verhandlungen um ein Reformpaket abgeschlossen würden, hieß es in Kreisen der Europäischen Zentralbank (EZB), es gebe keinen Durchbruch. Das deckt sich mit den Einschätzungen aus deutschen Delegationskreisen vor dem G-7-Finanzminister-Treffen in Dresden. Angesichts der akuten Finanzkrise Griechenlands hatte der Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, bereits am Dienstag vor einer möglichen Staatspleite gewarnt.

Tsipras glaubt an einen baldigen Abschluss der Gespräche

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sieht die Gespräch derweil kurz vor einem Abschluss. "Wir befinden uns auf der Zielgeraden", sagte der Premier vor Journalisten in Athen. Er sei sehr optimistisch, dass in Kürze ein Übereinkommen verkündet werden könne. Die Börsen nahmen die Nachricht erfreut auf. In Athen stiegen die Kurse bis Handelsschluss um 3,6 Prozent, in Frankfurt um 1,3 Prozent.

Die Linksregierung in Athen verhandelt seit Monaten mit dem IWF, der Europäischen Union und der Europäischen Zentralbank über die Freigabe der letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm. Als Gegenleistung verlangen die Geldgeber weitere Reformen, mit denen die griechische Regierung ihren Haushalt konsolidieren soll.