In den Verhandlungen über weitere Finanzhilfen für Griechenland beharrt die Athener Regierung auf ihren zentralen Forderungen. Niemand solle denken, dass die griechische Seite mit der Zeit an Widerstandskraft verliere und rote Linien aufgebe, sagte Ministerpräsident Alexis Tsipras am Freitag. "Falls manche Leute diesen Hintergedanken haben sollten, können sie ihn vergessen." Griechenland droht das Geld auszugehen. Weitere Finanzhilfen der Europartner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind an Reformzusagen aus Athen geknüpft. Tsipras lehnt Kürzungen von Löhnen und Renten kategorisch ab.

"Es muss zu einer Einigung kommen, daran gibt es keinen Zweifel", sagte Tsipras auf einer Konferenz in Griechenland. "Ich möchte den Griechen aber versichern, dass die Regierung in Pensions- und Arbeitsmarktfragen nicht von ihren Positionen abrückt." In diesen zentralen Fragen sei es zu keiner Einigung mit den internationalen Geldgebern gekommen. Es gebe keine Möglichkeit, dass die Regierung in Athen zurückweiche, sagte Tsipras. Das griechische Volk habe bereits genug gelitten.

Tsipras sagte, dass in den viermonatigen Verhandlungen mit den Geldgebern von Europäischer Union und IWF "Gemeinsamkeiten" gefunden worden seien. Dies mache ihn "optimistisch, dass wir einer Einigung sehr nahe sind", sagte der Regierungschef. Er betonte jedoch, eine Einigung müsse eine Umschuldung einschließen – eine Forderung, die Deutschland und andere Euroländer kaum annehmen werden. Berichten zufolge will die linksgeführte Regierung in Athen eine Einigung bis Anfang Juni erreichen.

EU fordert schnellere Reformbemühungen

Tsipras war im Januar mit dem Wahlversprechen an die Macht gekommen, den Sparkurs des hoch verschuldeten Landes zu beenden. Griechenland wird seit 2010 mit 240 Milliarden Euro über Wasser gehalten. Doch in den nächsten Wochen droht der Regierung das Geld auszugehen. Die Auszahlung weiterer 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramms ist von einer Einigung der Athener Regierung mit den Europartnern über den Reformkurs abhängig.  

EU-Vizekommissionchef Valdis Dombrovskis forderte von Griechenland schnellere Reformbemühungen. "Wir haben viel Zeit verloren", sagte er in der Samstagsausgabe der Bild-Zeitung. "Jetzt nehmen die Verhandlungen Fahrt auf, aber wir müssen noch einen Zahn zulegen. Erst wenn Griechenland die nächste Etappe des Reformprogramms abschließt, können die letzten vereinbarten Hilfszahlungen fließen." Zugleich forderte Dombrovskis die Regierung in Athen auf, die Reformanstrengungen zu verstärken und stellte Versäumnisse in wichtigen Bereichen fest. Griechenland müsse noch mehr tun bei der Sanierung der öffentlichen Haushalte, bei den Renten und am Arbeitsmarkt. Zwar sei die EU-Kommission "offen für einzelne Veränderungen bei den vereinten Reformen", Voraussetzung sei jedoch, dass diese Änderungen "die öffentlichen Haushalte nicht stärker belasten und nicht einseitig ohne Absprache gehandelt wird." Griechenland müsse jetzt "Reformen vorschlagen und nicht nur Vorschläge ablehnen". Die finanzielle Lage in Griechenland sei "ernst". Einen Austritt aus der Eurozone Griechenlands lehnte Dombrovskis ab.