Die britischen Liberaldemokraten haben signalisiert, dass sie in der kommenden Legislaturperiode einem Referendum über den Verbleib ihres Landes in der EU unter bestimmten Bedingungen zustimmen könnten. Damit macht die Partei kurz vor der Unterhauswahl den Weg zu einer möglichen erneuten Koalition mit den konservativen Tories von Premierminister David Cameron frei, berichtete der Guardian.

Cameron hat im Wahlkampf immer wieder deutlich gemacht, dass er eine Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens im Jahr 2017 durchsetzen wolle. Er reagiert damit auch auf die guten Umfragewerte für die EU-feindliche Partei Ukip. Zuletzt hatte er gesagt, dass die Zustimmung zu einem solchen Referendum die Voraussetzung für eine mögliche Koalition sei. Cameron sprach von einer "roten Linie".

Die Liberaldemokraten sind traditionell pro Europa eingestellt. Ihr Vorsitzender Nick Clegg kritisierte nun zwar die Tories für ihre Stimmungsmache gegen die EU. Zudem wolle er nicht um jeden Preis an der Macht bleiben. Dennoch könne er einem Referendum zustimmen, wenn er im Gegenzug seine Forderungen in den Koalitionsverhandlungen zu Kürzungen im britischen Haushalt durchsetzen könnte. Clegg sagte, der Haushalt müsse "fairer ausbalanciert" sein, und öffentliche Ausgabenbegrenzungen müssten aufhören.

Für die Wahl am 7. Mai zeichnet sich ab, dass erneut keine der beiden großen Parteien, Tories und Labour, eine absolute Mehrheit erringen wird. Eine Koalition oder eine Minderheitenregierung wären dann nötig.

Die Konservativen liegen in der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Sunday Times auf 34 Prozent, die Labour Party auf 33 Prozent. Demnach kämen die Konservativen auf 283 der 650 Sitze im Unterhaus, Labour mit ihrem Herausforderer Ed Miliband käme auf 261. An dritter Stelle folgen die schottischen Nationalisten mit 50 Sitzen vor den Liberaldemokraten mit 32 Mandaten.

Das Vereinigte Königreich gehört seit 1973 zur EU, und bisher sahen die meisten Briten mehr Vor- als Nachteile in dieser Zugehörigkeit. Doch diese Unterstützung scheint zu schwinden. In einer Umfrage vom Oktober sprachen sich von 1.000 Briten immerhin noch 56 Prozent dafür aus, in einem Referendum für einen Verbleib in der EU zu stimmen. 36 Prozent wollten für einen Austritt votieren.