Der UN-Sicherheitsrat ist nach der Einnahme von Palmyra durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) um die 70.000 Bewohner der syrischen Stadt besorgt. Zivilisten müssten in Sicherheit fliehen können, forderten die 15 Mitglieder des Rates. Insbesondere die Lage von Frauen und Kindern sei besorgniserregend, da der IS dafür bekannt sei, sie zu entführen und auszubeuten. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die "barbarischen terroristischen Taten" des IS. Auch um das Unesco-Weltkulturerbe in der einstigen Karawanenstadt zeigte sich das Gremium besorgt.

In Palmyra verhängten die IS-Kämpfer ein Ausgangsverbot, das von 17 Uhr bis zum Sonnenaufgang gelten soll. Bis Samstag darf niemand die Stadt verlassen – so wollen die Extremisten sicherstellen, dass keine Regierungsbeamten oder Assad-treuen Soldaten und Polizisten fliehen können, nach denen sie suchen. Die IS-Mitglieder hatten die Einwohner mit Lautsprechern davor gewarnt, Soldaten Schutz zu geben. Daraufhin hätten viele die Aufenthaltsorte der Soldaten preisgegeben, berichteten der Aktivist Bebars al-Talawy und eine Oppositionsgruppe auf Facebook.

Der IS richtete in Palmyra bis zu 280 Regierungssoldaten hin, teilte Bebars al-Talawy mit. Etwa 150 Leichen lägen auf den Straßen von Palmyra. Es soll zu Erschießungen und Enthauptungen in aller Öffentlichkeit gekommen sein. Davon zeugen Amateurvideos und Bilder auf IS-nahen Facebook-Seiten sowie auf Twitter.

Nach Eroberungen in der Vergangenheit hatte die Terrormiliz Hunderte syrische und irakische Soldaten hingerichtet – häufig wurde dies mit Propaganda-Videos dokumentiert. Zu einem ähnlichen Massaker wie in Palmyra kam es Mitte Mai in der irakischen Provinzhauptstadt Ramadi.

IS erobert weitere Stadt im Irak

Der IS brachte nun auch die Kleinstadt Husseiba nahe Ramadi in seine Gewalt. Die Polizei und Stammeskämpfer hätten sich zurückgezogen, nachdem ihre Munition ausgegangen sei, sagte ein Stammesführer der Nachrichtenagentur AP. Husseiba liegt sieben Kilometer östlich von Ramadi in der Provinz Anbar.

Die irakischen Streitkräfte wollen eine Gegenoffensive mit vom Iran unterstützten schiitischen Milizen starten, die eine wichtige Rolle im Kampf gegen den IS spielen. Allerdings könnte die Präsenz der Schiiten in der vorwiegend sunnitischen Provinz Anbar Spannungen schüren.

Bereits am Donnerstag hatten die IS-Kämpfer eine wichtige Grenzstation zwischen dem Irak und Syrien eingenommen. Dadurch können sie leichter Waffen und Verstärkung über die Grenze schicken.