In Syrien droht der nächsten Welterbestätte die Zerstörung durch die Terrormiliz "Islamischer Staat": Der IS rückt immer weiter auf das Unesco-Weltkulturerbe Palmyra vor. Der Leiter der syrischen Altertümerverwaltung, Maamun Abdulkarim, sagte, Kollegen vor Ort hätten ihm am Telefon berichtet, dass die Dschihadisten nur noch zwei Kilometer von der Stadt entfernt seien. "Die Luftwaffe bombardiert sie, und ich hoffe, dass diese Barbaren nicht in die Stadt eindringen", sagte Abdulkarim. "Das wäre ihre Zerstörung, eine internationale Katastrophe – Gegenstände kann man verstecken, aber wie will man antike Architektur schützen?"

In unmittelbarer Nähe der historischen Ruinenstadt liegt ein strategisch wichtiger Hügel, um den sich die Extremisten offenbar heftige Kämpfe mit Anhängern des Regimes liefern. In Palmyra steht zudem ein bekanntes Gefängnis für politische Inhaftierte.  

Palmyra, dessen Bauten griechisch-römische und persische Baukunst vereinigen, ist laut der Unesco eine Stätte von "überragendem universellem Wert". Die Ruinenstadt gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im Nahen Osten.

Bei ihrem Vorstoß richteten die Dschihadisten offenbar 26 Bewohner der umliegenden Dörfer hin, darunter zehn durch Enthauptung. Das teilte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, mit. Den Opfern sei "Kollaboration mit dem Regime" von Präsident Baschar al-Assad vorgeworfen worden. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Palmyra ist angesichts des IS-Vormarschs auch zu einem Zufluchtsort für Tausende Flüchtlinge geworden. Der Gouverneur von Homs sagte, rund 1.800 Familien seien in die Stadt geflohen. In dem Gebiet wurden seit der Nacht zum Mittwoch bei Kämpfen rund 110 Menschen getötet, darunter 70 Regierungssoldaten und 55 IS-Kämpfer.

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr bereits einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die jahrtausendealte Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Im Museum von Mossul zertrümmerten sie wertvolle Statuen aus assyrischer Zeit. Etwa einen Monat nach der Zerstörung der nordirakischen Ruinenstadt Nimrud hatte der IS Mitte April in einem Video das Ausmaß der Verwüstung in der Ausgrabungsstätte aus dem 13. Jahrhundert vor Christus gezeigt. Es lässt erahnen, dass von der Stätte kaum noch etwas erhalten sein dürfte. Nimrud war einer der berühmtesten archäologischen Fundorte im Zweistromland.

UN-Konferenz beschließt besseren Schutz für Kulturerbe

Zum Abschluss einer UN-Konferenz in Kairo verständigten sich Vertreter von zehn arabischen Staaten unterdessen darauf, ihr archäologisches Kulturerbe künftig besser zu schützen und im Kampf gegen Plünderungen und den illegalen Antiken-Handel enger zu kooperieren. Ägypten, Saudi-Arabien, die Emirate, Irak, Jordanien, Kuwait, der Libanon, Libyen, Sudan und Oman vereinbarten dazu die Einsetzung einer Arbeitsgruppe.