Internationale Medien bemühen sich nach dem Wahlsieg des nationalkonservativen Andrzej Duda in Polen um eine Einordnung des Ergebnisses. Die russische Tageszeitung Nesawissimaja Gaseta urteilt: "Polen hat einen antirussischen Euroskeptiker gewählt." Präsident Duda werde keine Annäherung an Russland suchen, denn nicht jeder Euroskeptiker sei automatisch ein Verbündeter Moskaus. 

"Die Wahl der Polen gibt Russland keine Hoffnung. Duda ist ein eifriger Verfechter der Sanktionen gegen Russland", schreibt die Moskauer Zeitung weiter. Er halte sie für ein Instrument, um Moskau zu normalen Beziehungen zu zwingen. "Doch die Figur des polnischen Präsidenten ist nicht überzubewerten." Die Wirtschafts- und die Außenpolitik bestimmten die Regierungschefin und ihr Kabinett. Wie aber die polnische Regierung nach der Parlamentswahl im Oktober aussehen werde, sei bisher nicht klar.

Die Neue Zürcher Zeitung aus der Schweiz analysiert, dass zum Ergebnis vor allem die wirtschaftliche Situation des Landes beigetragen habe. "In Polen leiden die Jungen besonders: Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch." Bürokratische Hindernisse trugen dazu bei, dass in den vergangenen zehn Jahren fast 2,5 Millionen primär junge, gut ausgebildete Polen nach Westeuropa ausgewandert seien.

"Duda, warum nicht?"

"Gelingt es Andrzej Duda und der Partei Recht und Gerechtigkeit, Polen zu erneuern und somit auch der Jugend eine bessere Perspektive zu bieten, wäre dies für das Land ohne Zweifel positiv", schreibt die Zeitung weiter. Allerdings sei zu befürchten, dass der jugendliche Glanz des Kandidaten bald wieder durch die rückwärtsgewandte Ideologie der PiS zugedeckt werde. "Zur Erinnerung: Die zweite zentrale Wählergruppe Dudas waren erzkonservative Rentner."

Die niederländischen Zeitung De Telegraaf versucht Polens zukünftiges Verhältnis zur EU zu bewerten. Der unerwartete Sieg Dudas bedeute nicht nur einen Erdrutsch in der polnischen Politik. "Er ist auch eine deutliche Niederlage für Donald Tusk, den einstigen polnischen Ministerpräsidenten und heutigen Ratspräsidenten der EU." Der Union könne dieser Wahlerfolg Dudas Probleme bereiten. "Er könnte der Auftakt für einen Sieg seiner rechtsnationalen Partei bei den Parlamentswahlen im Herbst sein", schreibt die Zeitung weiter. Eine nationalistische Regierung könne Donald Tusks Politik zunichte machen. Der habe sich bemüht, Polens Rolle innerhalb der EU zu stärken.

Die Welt aus Berlin befürchtet hingegen keine Schwierigkeiten für die Union. "Andrzej Duda, warum nicht? Wer jetzt vor einem neuen polnischen Rechtsnationalismus warnt, verkennt das Maß an Stabilität, das Polen erreicht hat." Anders als sein europakritischer Amtsvorgänger Jarosław Kaczyński sei Duda kein Polterer. Zwar sei der mit teuren Wahlversprechen – etwa der Senkung des Rentenalters – durch die polnischen Lande gezogen.

"Aber Ausfälle gegen die Europäische Union waren von ihm, dem EU-Parlamentarier, nicht zu hören", stellt die Welt fest. Mit Scharfmacherei gewinne man in Polen keine Wahlen mehr – Duda sei daher auf diesem Feld, auf dem der Präsident ohnehin nur reden kann, vage geblieben. Er stehe für eine Partei Recht und Gerechtigkeit, die milder und moderner geworden sei.