Der nationalkonservative Politiker Andrzej Duda hat die Präsidentenwahl in Polen klar gewonnen. Bei der Stichwahl am Sonntag stimmten Prognosen zufolge 52 Prozent der Wähler für den 43-Jährigen, 48 Prozent für den Amtsinhaber Bronisław Komorowski. Duda versprach, er wolle als Präsident allen Polen dienen. "Die Türen des Präsidentenpalastes werden offen sein." 

Die liberalkonservative Regierungschefin Ewa Kopacz sagte, sie strebe die "bestmögliche Zusammenarbeit" mit dem neuen Präsidenten an. In einer kurzen Rede versprach Duda eine Amtszeit, die von Offenheit und Einheit geprägt sein werde. "Wir können Polen verändern." Die Probleme des Landes zu lösen, werde jedoch viel harte Arbeit erfordern. 


Die Wahlbeteiligung lag bei 55,5 Prozent und damit deutlich über dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen. Das offizielle Ergebnis wird nicht vor Montagabend erwartet.

Die Wahl Dudas gilt als wichtiges Signal für die Parlamentswahlen im Herbst: Der promovierte Jurist war der Kandidat der nationalkonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die im Herbst auf einen Machtwechsel hofft. "Diejenigen, die für mich gestimmt haben, haben für den Wandel gestimmt", sagte auch Duda am Sonntagabend mit Blick auf die Parlamentswahlen.

Für die Kandidaten war es eine lange Wahlnacht: Nach dem Tod einer Frau in einem Wahllokal in der schlesischen Gemeinde Kowale wurde die Wahl dort bis 22.30 Uhr verlängert. Die Staatliche Wahlkommission ordnete daher an, dass keine Prognosen veröffentlicht werden durften, bis auch das Wahllokal in dem Dorf mit 536 Wahlberechtigten schloss. Überall sonst waren die Wahlen regulär um 21.00 Uhr beendet worden.

Der Jurist und Europaparlamentarier, der für die meisten Polen zu Beginn des Wahlkampfs ein Unbekannter war, lag schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen überraschend vor Komorowski. Er präsentierte sich als Familienvater mit Sinn für die Alltagssorgen und Geldnöte der Polen. Im Wahlkampf versprach Duda, er wolle das von der liberalkonservativen Regierung angehobene Rentenalter wieder auf 65 Jahre senken und Steuererleichterungen schaffen.

Im Wahlkampf hatte der Konservative Duda vor allem soziale Verbesserungen in Aussicht gestellt. Er versprach steuerliche Erleichterungen insbesondere für kinderreiche Familien, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Absenkung des Renteneintrittsalters. Die Sozialpolitik gehört allerdings nicht zum Kompetenzbereich des polnischen Präsidenten. Fünf Tage vor der Wahl stellte sich die Gewerkschaft Solidarność hinter Duda.