Amerika und Israel verbindet seit den kritischen Momenten der Gründung des Staates eine Allianz auf Gedeih und (selten) auf Verderb. Sie ist in diesen Tagen und Wochen einer harten Prüfung unterworfen. Zwischen dem Ministerpräsidenten Netanjahu und Präsident Obama herrscht eine erbitterte Feindschaft, die der sonst so eisern höfliche Herr im Weißen Haus keineswegs mehr zu verbergen sucht.

Und der Hasardeur aus dem gelobten Land? Der fühlt sich – dank seines Rückhalts bei der republikanischen Mehrheit im Kongress – unangreifbar. Er konnte sich nach jedem Konflikt mit dem Weißen Haus und mit dem State Department als Sieger fühlen, die Jahre von Hillary Clintons strenger Regentschaft einmal ausgenommen. Das stärkte seine Position im rechten Lager der israelischen Wählerschaft.

Seine Katz- und Mausspiele mit Washington bescherten ihm einen erstaunlichen Erfolg. Doch vergebens suchte er die Partner für eine neue Regierung im Feld der liberalen Bürger und der Arbeiterpartei. Eine Mehrheit fand er schließlich bei den ultrareligiösen und ultrakonservativen Kleinparteien, die sich in der Regel ihre Unterstützung durch finanzielle Wohltaten für die orthodoxen Institutionen bezahlen lassen. Das aber heißt: für eine anspruchsvolle, aber wenig produktive Minderheit.

Der miserable Zustand der israelischen Beziehungen zur amerikanischen Regierung, die niemals zuvor auf einen so düsteren Tiefstand gefallen sind, wird von der liberalen und linken Mehrheit mit wachsendem Unbehagen beobachtet. Netanjahu, dem die Triumphe seiner Schlauheit zu Kopf gestiegen sein mögen, wird die Brüchigkeit seiner inner-israelischen Machtbasis früher oder später zur Kenntnis nehmen müssen. Im Lager der Arbeiterpartei wird trocken konstatiert, dass seine Tage als Regierungschef gezählt sind.

Dies ist vermutlich auch Barack Obama nicht entgangen – und schon gar nicht Hillary Clinton, die vermutlich als die Kandidatin der Demokraten in den Kampf ums Weiße Haus geschickt wird (ihre Chancen wären nicht schlecht). Sie hat in ihren Tagen als Außenministerin Benjamin Netanjahu den Kopf gewaschen, wie es dem eitlen Herrn vorher kaum je widerfahren sein dürfte. Die beiden wissen, was sie voneinander zu halten haben. 

Zwei-Staaten-Lösung hat Netanjahu unmöglich gemacht

Bis sie ins Weiße Haus ziehen könnte, wird der Widersacher in Jerusalem längst aufs Altenteil geschickt worden sein. Und viele der bedächtigen Bürger Israels werden eine kritische Bilanz aufgemacht haben, die mit der gebotenen Klarheit Auskunft darüber gibt, ob der Tausendsassa seinem Land letztlich mehr geschadet als genutzt hat.

Die Zwei-Staaten-Lösung, die einst auch mit der Zustimmung der israelischen Regierung als der einzig mögliche Ausweg aus dem permanenten Konflikt mit der palästinensischen Bevölkerung beschworen wurde, hat sich durch den konsequent vorangetriebenen Siedlungsbau im Westjordanland und in Ost-Jerusalem längst erledigt, wie Netanjahu unterdessen zynisch festgestellt hat. In der Tat würden die mehr als 700 israelischen Niederlassungen die Bildung eines auch nur halbwegs geschlossenen Staatsgebietes längst nicht mehr zulassen.