Die Pressekonferenz von Angela Merkel und dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sissi ist mit einem Eklat geendet. Es entstand ein Tumult zwischen Anhängern und Gegnern von Al-Sissi.   

Eine Gegnerin des Al-Sissi-Regimes – eine Frau mit Kopftuch und in Deutschland arbeitende Journalistin – bat nach Ende der Pressekonferenz im Kanzleramt lautstark um die Möglichkeit, eine Frage stellen zu können. Als diese nicht mehr zugelassen wurde, schrie sie, Al-Sissi sei ein Mörder. 

Die ägyptische Pressedelegation sprang daraufhin nahezu geschlossen auf und schrie zurück: "Es lebe Ägypten, es lebe Ägypten." Dabei deuteten die ägyptischen Medienvertreter wütend auf die Frau, die abgeführt wurde. Al-Sissi und Merkel verließen schnell den Saal. 

Zuvor verstießen die meisten ägyptischen Journalisten gegen die Gepflogenheiten im Kanzleramt, indem sie Al-Sissi während seines Statements laut applaudierten. Die Medienbetreuer des Kanzleramts hatten Mühe, die Ägypter zu beruhigen. Bereits vor Beginn der Pressekonferenz hatten Anhänger des ehemaligen Präsidenten Mohammed Mursi vor dem Kanzleramt mit ägyptischen Flaggen demonstriert. Die Oppositionellen und die Unterstützer Al-Sissis gerieten aneinander. Die Polizei musste dazwischengehen, die Stimmung war angespannt.

Al-Sissi betonte bei der Pressekonferenz seine Verdienste um die Revolution. Offenbar wollte er den Auftritt nutzen, um sich als beliebten Präsidenten zu inszenieren. Im Publikum saßen ausgewählte Journalisten von ägyptischen Medien, die Al-Sissi-Buttons trugen. In zwei Wortbeiträgen lobten ägyptische Journalisten die Politik Al-Sissis. 

Merkel kritisierte die hohe Anzahl an Todesstrafen in Ägypten scharf. "Unter keinen Umständen sollten Menschen zum Tode verurteilt werden", sagte sie. Wenn man sich als Partner verstehe, müsse es möglich sein, das zu sagen.

Al-Sissi verteidigt die Todesstrafe

Al-Sissi entgegnete, Menschenrechte würden in Ägypten respektiert. "Sie achten in Ihrer Demokratie Menschenleben. Wir tun das auch", sagte er und verlangte Respekt für Ägypten. Auf die Frage, ob er es begrüßen würde, wenn die Todesstrafe für seinen Amtsvorgänger Mohammed Mursi aufgehoben oder ausgesetzt würde, sagte er, dass das Urteil bislang nur erstinstanzlich sei: "Alles kommt zu seiner Zeit."

Merkel hob die strategische Bedeutung Ägyptens für den Frieden im Nahen Osten und den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus hervor. Sie kritisierte auch die Beschränkungen der Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo.

Zuvor war Al-Sissi von Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren begrüßt worden. Es folgt ein Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Al-Sissis Regime ist wegen vieler Menschenrechtsverletzungen umstritten. Gleichzeitig gilt der Ex-General als Verbündeter des Westens im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus. Vor dem Schloss Bellevue demonstrierten etwa zwei Dutzend Menschen gegen Al-Sissi. 

Seit seiner Wahl vor einem Jahr regiert der 60-Jährige ohne Parlament. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der ein zunächst geplantes Treffen mit Al-Sissi abgesagt hat, äußerte sich enttäuscht über die Entwicklung in Ägypten. "Ich hätte mir gewünscht, dass eine Zusammenarbeit auch zwischen den Parlamenten beider Länder möglich wäre", sagte Lammert.