Es ist so ein schöner, kerniger, einleuchtender, klarer Satz: Wer miteinander spricht, schießt nicht aufeinander. Zusammengefasst lässt sich so das wichtigste Argument jener umschreiben, die in Deutschland unmittelbar vor dem G-7-Treffen auf Schloss Elmau wieder einen roten Teppich ausrollen wollen für den Mann, der die Hauptverantwortung für den jüngsten Krieg in Europa trägt. Für Wladimir Putin.

Fangen wir mit dem an, der den größten Respekt verdient: Helmut Schmidt. Solch eine Veranstaltung ohne Russland sei nicht sinnvoll, hat der Altkanzler gesagt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Gerhard Schröder, der zweite Ex-Kanzler der SPD, noch einen drauflegt. Es sei ein Fehler, dass Russlands Präsident nicht zum G-7-Gipfel eingeladen worden sei, behauptete Schröder, seit Jahren enger Geschäfts- und Männerfreund Putins. Dazu gesellten sich sogleich der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, natürlich Gregor Gysi und der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums und ehemalige SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck. "Russland muss zurück in die G 7", lautet dessen Forderung.

Und nachdem die üblichen Stichwortgeber eben die Stichworte gegeben hatten, folgten die Kommentare. Auf Spiegel Online brachte der Chef des Meinungsressorts, Stefan Kuzmany, es auf den Punkt: "G-7-Gipfel ohne Putin: Ein mächtiger Fehler". Praktischerweise war der Text gleich mit einem Voting für "die Leser" verbunden. Wirkt wie eine Einladung für die Trolle, sprich Meinungsmacher, die etwa in Sankt Petersburg dafür bezahlt werden, russische Propaganda online zu verbreiten.

Damit kein Missverständnis entsteht: Natürlich kann man verschiedener Meinung sein, ob Russland trotz der Krim-Annexion in den Klub der führenden Industrienationen gehört. Gerade eine solche Meinungsvielfalt zeichnet unsere debattenfreudige Gesellschaft aus, im Gegensatz zu Russland. Was bloß an dieser Debatte über Putins Nichteinladung zum Schloss Elmau einmal mehr auffällt – die prorussische Sichtweise dominiert im öffentlichen medialen Diskurs in Deutschland, selbst wenn die Fakten ziemlich eindeutig gegen die aggressive russische Politik sprechen.  

Um nur die aktuellsten Entwicklungen zu nennen:

  • Und obwohl in dieser Woche an der Kampflinie die schwersten Gefechte seit Februar ausgebrochen sind, mindestens 26 Menschen starben und die OSZE bezeugt, dass ihre Beobachter vor dem Angriff "eine große Anzahl von schweren Waffen" sahen, die sich auf dem Gebiet der Donezker Volksrepublik in Richtung Westen bewegten, lässt Putin weiterhin das Märchen verbreiten, mit den Kämpfen nichts zu tun zu haben.

Die Wahrheit ist: Ohne die skrupellose hybride Kriegsführung des russischen Präsidenten wären in der Ostukraine seit dem Frühjahr 2014 nicht 6.500 Menschen gestorben. Daran und an die ebenso völkerrechtswidrige Annexion der Krim muss man erinnern, wenn man verstehen will, warum Angela Merkel jetzt noch einmal bekräftigt hat, dass Putin auf absehbare Zeit nicht in die G-7/G-8-Runde zurückkehren wird.