Das griechische Reformangebot an die internationalen Geldgeber könnte im Parlament in Athen scheitern. Viele Abgeordnete könnten der Vorschlagsliste von Regierungschef Alexis Tsipras die Unterstützung verweigern, sagte Vize-Parlamentssprecher Alexis Mitropoulos, der die regierende Syriza-Partei vertritt. Das Programm werde "Schwierigkeiten haben, bei uns durchzukommen". 

Ministerpräsident Tsipras steht unter dem Druck seines linken Parteiflügels. Die regierende Syriza verfügt über 149 Abgeordnete im 300 Sitze zählenden Parlament, hinzu kommen 13 Abgeordnete des Koalitionspartners Unabhängige Griechen (Anel). Mehr als elf Abweichler kann sich Tsipras in der Abstimmung über ein Abkommen mit den Geldgebern also nicht leisten.

Würde er eine Mehrheit nur mithilfe der Opposition erreichen, wäre eine Regierungskrise die Folge. Mitropoulos kündigte bereits in einem Interview an, er werde den von den Gläubigern geforderten Maßnahmen nicht zustimmen. Sie stünden nicht im Einklang mit den Prinzipien der Linken.   

Neuwahlen könnten die Folge sein

Die Regierung warnte vor einem Auseinanderbrechen der Koalition. "Wenn das Abkommen nicht die Zustimmung der Abgeordneten der Regierungsmehrheit erhält, kann die Regierung nicht bestehen bleiben", sagte Sprecher Gavriil Sakellaridis im griechischen Fernsehen. Er appellierte an die "individuelle Verantwortung" der Parlamentarier. Der Druck der Geldgeber auf Athen, weitere Zugeständnisse zu machen, sei weiterhin hoch. Für seine Regierung komme es aber nicht infrage, über den jüngsten Vorschlag hinaus weitere Kürzungsmaßnahmen zu akzeptieren, sagte Sakellaridis. "Wenn die Regierung keine Parlamentsmehrheit hat, kann sie nicht im Amt bleiben." Die Folge wären Neuwahlen und weitere Verzögerung.

Die Tsipras-Regierung hat Steuererhöhungen und Rentenreformen vorgeschlagen, die in ersten Reaktionen positiv von den Gläubigern aufgenommen wurden. Sie werden nun von Fachleuten im Detail geprüft. Die griechische Regierung und die Gläubiger der Eurozone hatten sich bei einem Sondergipfel am Montagabend darauf geeinigt, bis Donnerstagmorgen Ergebnisse in den Verhandlungen über den Schuldenstreit zu erzielen.

Für Mittwochabend wurde ein weiteres Treffen der Euro-Finanzminister angesetzt. Bis dahin sollen die Experten von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) die neuen Reformvorschläge prüfen. Am Donnerstag und Freitag folgt dann ein regulärer EU-Gipfel. Gelingt keine Einigung, verfallen die letzten Milliarden aus dem in einer Woche endenden Hilfspaket – das Land würde dann absehbar in eine Staatspleite schlittern.