Erst im Januar hatten die Kurden die Grenzstadt Kobani nach monatelangen Kämpfen aus der Gewalt des "Islamischen Staats" (IS) befreit. Doch jetzt greift die Terrormiliz erneut an: In der Nacht habe es in mehreren Gebieten der Stadt im Norden Syriens schwere Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und den Extremisten gegeben. Das berichtet die der syrischen Opposition nahestehende Beobachtungsstelle für Menschenrechte. 

Von unabhängiger Seite können die Angaben nicht bestätigt werden. Doch auch aus der Stadt berichten Aktivisten von Explosionen. Zahlreiche Menschen seien getötet worden, sagte ein Korrespondent des lokalen syrischen Radiosenders Arta FM der Deutschen Presse-Agentur. Die türkische Nachrichtenagentur DHA teilte mit, mehr als 40 Verletzte seien in ein Krankenhaus in der türkischen Grenzstadt Suruc gebracht worden.

Der Korrespondent des Radiosenders sagte weiter, es gebe deutliche Hinweise darauf, dass die IS-Kämpfer von türkischem Gebiet angegriffen hätten. Auf der syrischen Seite der Grenze hätten die Kurden zahlreiche Kontrollpunkte errichtet, die die IS-Kämpfer nicht hätten passieren können. Derzeit seien nur wenige Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in der Stadt, da diese an anderen Fronten gegen den IS kämpften. Kurden-Sprecher Idriss Nassan sagte, die Gefechte in der Stadt dauerten an, die Lage sei aber unter Kontrolle.

Die Türkei wies die Vorwürfe, wonach der IS über die Türkei kam, zurück: Aus dem Büro des Gouverneurs der Grenzprovinz Sanliurfa hieß es, die Islamisten seien aus Richtung der syrischen Stadt Dscharablus bis nach Kobani vorgedrungen.

Der IS hatte die vor allem von Kurden bewohnte Grenzstadt bereits im vergangenen Jahr angegriffen und große Teile Kobanis eingenommen. Mithilfe von Luftangriffen der internationalen Koalition gelang es den kurdischen Volksschutzeinheiten in monatelangen Kämpfen jedoch, die Islamisten zurückzudrängen. Ende Januar wurde Kobani endgültig befreit. Kämpfe und Luftangriffe haben jedoch große Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Erst in den vergangenen Wochen war langsam wieder Leben nach Kobani zurückgekehrt.

Der neue IS-Angriff erfolgte nur wenige Tage nachdem der IS im Norden Syriens schwere Niederlagen gegen die Kurden einstecken musste. In der vergangenen Woche hatten die Volksschutzeinheiten die weiter östlich gelegene Grenzstadt Tell Abjad befreit. Am Dienstag nahmen sie den Ort Ain Issa ein und rückten bis auf rund 50 Kilometer an die syrische IS-Hochburg Al-Rakka heran. Die Extremisten verloren durch die Niederlagen ihre wichtigsten Nachschubwege in die Türkei.

IS-Kämpfer griffen auch die östlich von Kobani gelegene Stadt Hasaka an. Bei heftigen Kämpfen seien mindestens 20 Dschihadisten und 30 Anhänger des syrischen Regimes getötet worden, erklärte die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Extremisten hätten einige Teile der Stadt eingenommen.