Fast wären sie sich in Deutschland begegnet, aber nur fast. Während US-Präsident Barack Obama nach dem G-7-Gipfel auf Schloss Elmau das Land verließ, war sein potenzieller Nachfolger Jeb Bush bereits im Anflug. John Ellis Bush, genannt Jeb, stellte sich auf dem Wirtschaftstag der CDU erstmals der deutschen Öffentlichkeit vor.

Bush gilt als aussichtsreicher Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2016 – sollte er denn nominiert werden. Dann will er seinem Vater George Bush Senior und seinem Bruder George W. ins Weiße Haus folgen.

Doch noch ist er nicht einmal offiziell Kandidat, und so stellte ihn das Programm des Wirtschaftstages nur als ehemaligen Gouverneur Floridas vor. Bush regierte den Sonnenstaat von 1999 bis 2007. In Berlin will der Phantom-Kandidat aber nicht über die Strände von Key West, sondern über Wirtschaft und Außenpolitik sprechen. Denn den Wählern zu Hause in den USA muss er beweisen, dass er sich mit diesen Themen auskennt.

In Berlin erwartet ihn dazu ein geneigtes Publikum. Als Bush ans Pult tritt, wird er von etwa 2.000 Zuhörern begeistert begrüßt. Der 62-Jährige zeigt sich zunächst allerdings eher nervös als selbstbewusst. Seine Rede scheint genau einstudiert.

Er fokussiert auf sein großes Thema, die Wirtschaftspolitik. Bush lobt die Bundesregierung für ihre Sparpolitik und kann sich einen kleinen Seitenhieb auf Obama nicht verkneifen: "Andere Regierungen können von der deutschen Fiskalpolitik lernen", sagt er mit Blick auf die hohe Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten. Der von vielen geforderten Erhöhung der Staatsausgaben erteilt er in guter Republikaner-Manier eine Absage. "So etwas ist eine Einladung, die Problemlösung zu verschieben."

Gutes Verhältnis zwischen CDU und Bush-Familie

In der Außenpolitik fordert Bush einerseits ein entschiedenes Auftreten gegenüber Russland. Andererseits solle man das russische Volk auch nicht "für Generationen von uns wegstoßen", sagt er. Dabei bleibt er bewusst vage. Entschieden müsse man auftreten, die russische Aggression müsse eingedämmt werden – aber trotzdem dürfe man den Dialog mit Putin nicht verweigern. Wie er sich diese Gratwanderung genau vorstellt, erklärt er nicht.

In seiner Rede lobt Jeb auch seinen Vater George Bush Senior sowie Helmut Kohl. Beide hätten die Wiedervereinigung Deutschlands möglich gemacht. Seinen in Deutschland unbeliebten Bruder erwähnt er mit keinem Wort.

Dass Bush ausgerechnet auf einer CDU-Veranstaltung auftaucht, ist natürlich kein Zufall. Der Bush-Clan und die CDU – das ist eine Liebesgeschichte mit Tradition. Schon Jebs Vater galt als Vertrauter Helmut Kohls. Als Bush 1992 die US-Präsidentschaftswahl gegen Bill Clinton verlor, machte Kohl vor dem Nachfolger keinen Hehl daraus, dass er lieber Bush im Weißen Haus gesehen hätte.

Jeb verliert kein Wort über George W.

Auch mit Bush II. im Weißen Haus, Jebs Bruder George W., hielt es die Union gut. Als Gerhard Schröder vor dem Irak-Krieg eine deutsche Unterstützung für einen Angriff auf den Irak ausschloss, schrieb die damalige CDU-Oppositionsführerin Angela Merkel in der Washington Post: "Schröder spricht nicht für alle Deutschen". Auch nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin konnte Merkel gut mit Bush. In Berlin sind sich Merkel und Jeb nun kurz begegnet. Bahnt sich hier die nächste Freundschaft an?

Außerhalb unionsnaher Veranstaltungen jedoch dürfte Deutschland ein schwieriges Parkett für Jeb Bush sein. Die Abneigung der Deutschen gegen seinen Bruder George W. war nicht nur ein Resultat seiner aggressiven Außenpolitik des war on terror. George W. Bush verkörperte für viele genau den rückständigen hemdsärmeligen Cowboy, der hierzulande als negatives Stereotyp für US-Amerikaner verbreitet ist.

Jeb ist in dieser Beziehung das genaue Gegenteil seines Bruders. In Berlin spricht er eloquent, pointiert und wirkt wacher als sein Bruder. Er argumentiert im Gegensatz zu George W. nicht mit Volksweisheiten und Anekdoten. Das US-Magazin Politico warnte ihn dennoch, Journalisten und die Öffentlichkeit stünden in Deutschland politisch deutlich weiter links als in den USA. So gewarnt verlor Jeb Bush in Berlin auch kein Wort über den von seinem Bruder ausgelösten Irak-Krieg.