Das russische Vorgehen in der Ukraine sorgt kurz vor dem G-7-Treffen für einen ungewöhnlich scharfen verbalen Schlagabtausch zwischen Deutschland und Russland. Der Sprecher des russischen Präsidenten warf Kanzlerin Merkel eine "fehlerhafte Definition" vor, weil sie das russische Vorgehen auf der Halbinsel Krim als Annexion bezeichne. Die Bundesregierung aber bleibt dabei: "Ganz klar ist, dass es für uns überhaupt keinen Grund gibt, die Sache anders zu betrachten, als wir sie seit Frühjahr 2014 betrachten: Es ist eine Annexion, es ist eine völkerrechtswidrige Annexion", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Dmitri Peskow, der Sprecher von Wladimir Putin, hatte laut der Agentur Interfax gesagt, Merkel sei "in ihren Äußerungen ein Fehler im Bereich der Terminologie unterlaufen, sie verwendete das Wort Annexion und nicht Wiedervereinigung." Merkel hatte den Anschluss der Krim an Russland in der Gegenwart Putins am 10. Mai in Moskau als "verbrecherisch" verurteilt. Die russische Führung besteht darauf, es habe sich um eine freiwillige Wiedervereinigung gehandelt.

Peskow wies auch Vorwürfe der Kanzlerin zurück, der Anschluss bedrohe die Weltordnung. Eine "Gefahr für die Ordnung in der Welt und in Europa" sei vielmehr der vom demokratischen Westen vorangetriebene "gewaltsame Machtwechsel" in der Ukraine gewesen. "Das ist und war der Wendepunkt für die europäische und weltweite Ordnung", sagte er.

Die Staaten der G 7 hatten im Frühjahr des vergangenen Jahres beschlossen, Russland auszuschließen. Deshalb kommt keine russische Delegation zum G-7-Gipfel in Elmau am kommenden Wochenende. "Es wird sich zeigen, ob Russland in seiner Politik, in seiner Hinwendung zu den Werten die Schritte macht, die nötig sind, um wieder ein Mitglied dieser Gruppe zu sein. Im Moment können wir das nicht erkennen", sagte Seibert auf die Frage, wann Russland wieder Teil einer G-8-Gruppe werden könne. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, sagte hingegen, es sei wichtig, das Gespräch mit Russland zu suchen, "hoffentlich bald auch irgendwann wieder in den G 8".

Als Reaktion auf die Annexion der Krim hatte die EU Sanktionen gegen Russland verhängt. Die russische Regierung reagierte darauf mit Gegensanktionen und kürzlich  mit Einreiseverboten für 89 europäische Politiker. Das EU-Parlament reagierte nun seinerseits: Von zwei Ausnahmen abgesehen haben russische Diplomaten im Europäischen Parlament künftig Hausverbot. Das ordnete Parlamentspräsident Martin Schulz an. Ausgenommen ist nur der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow und einer seiner Mitarbeiter. Zudem wird die Arbeit eines russisch-europäischen Kooperationsausschusses ausgesetzt.  

Das russische Außenministerium nannte die Aktion eine "Rückkehr zur Inquisition". Die Jagd auf russische Hexen sei eröffnet. Sprecherin Maria Sacharowa verlangte eine Erklärung von der EU.