Das lettische Parlament hat einen neuen Präsidenten gewählt. Mit 55 von 100 Stimmen erreichte Raimonds Vējonis erst im fünften Wahlgang die absolute Mehrheit im Saeima. Lettland wird damit das erste EU-Land mit einem grünen Staatsoberhaupt. Der bisherige Verteidigungsminister Vējonis erklärte, er wolle ein besseres Verhältnis seines Landes zu Russland, die Streitkräfte stärken und Lettland ökologisch ausrichten.

In dem Baltenstaat hat der Präsident viel Einfluss: Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, nominiert den Ministerpräsidenten und hat das Recht, dem Parlament Gesetzesvorhaben vorzulegen oder solche zurückzuweisen. Zu den EU-Gipfeln in Brüssel reist allerdings der Regierungschef.

Angesichts der Ukraine-Krise liege für Vējonis der Fokus auf der inneren und äußeren Sicherheit. Dazu zählen besser geschützte Grenzen und eine stärkere Nato-Präsenz. Er würde gerne die Beziehungen zu Russland verbessern, sagte der in Russland geborene Biologe. Aber solange Raketen und schwere Waffen in der Ukraine blieben, sei das nicht möglich. Zu einem konstruktiven Dialog mit Moskau sei er dennoch bereit.

Überdies könne er als Präsident "garantieren, dass Lettland ein wirklich grünes Land wird".

Vējonis war von 2002 bis 2011 in verschiedenen Regierungen Umweltminister, 2014 wurde er zum Verteidigungsminister in einer Drei-Parteien-Koalition ernannt. Vor der Abstimmung galt er als aussichtsreichster der vier Kandidaten, seine Wahl war dennoch nicht sicher. Vor der letzten Wahlrunde gab es eine längere Unterbrechung, in der sich die Spitzen der drei Regierungsparteien zu Beratungen zurückzogen.

Vējonis wurde vom Bündnis der Grünen und Bauern nominiert, das in der Drei-Parteien-Koalition von Regierungschefin Laimdota Straujuma mitregiert. Straujuma zeigte sich zufrieden mit der Wahl und kündigte an, in Kürze einen neuen Verteidigungsminister zu suchen.