Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das für Samstag geplante Sondertreffen der Finanzminister der Eurozone zur Griechenland-Krise als entscheidend bezeichnet. Die Staats- und Regierungschefs seien sich in dieser Einschätzung einig, sagte Merkel nach dem ersten Tag des EU-Gipfels in der Nacht zum Freitag in Brüssel. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte, die Gipfelteilnehmer erwarteten, dass die Eurogruppe den Prozess bei dem Treffen abschließe.

Der politische Wille zu einer Einigung sei eindeutig vorhanden, sagte Merkel. Die Staats- und Regierungschefs hätten sich aber nicht mit den Einzelheiten befasst, sondern nur einen "prozeduralen" Beschluss gefasst: Athen müsse mit den Gläubigerinstitutionen eine Lösung finden, die dann am Samstag den Finanzministern vorgelegt werden müsse. Die Zeit werde sehr knapp, so die Kanzlerin.

Erst wenn die Eurogruppe grünes Licht gibt, könnte das griechische und anschließend das deutsche Parlament abstimmen, um blockierte Milliarden aus dem Hilfsprogramm für das hochverschuldete Land freizugeben. Ohne Einigung verfällt das Geld am Dienstag – Athen könnte seine Schulden von 1,5 Milliarden Euro beim Internationalen Währungsfonds (IWF) kaum fristgerecht begleichen und wäre pleite.

Merkel bekräftigte, dass sich die Staats- und Regierungschefs nicht in die Verhandlungen einmischen wollten. "Es muss sehr viel technische Arbeit geleistet werden", sagte sie. Zunächst müsse Griechenland mit den Geldgebern an einer Lösung arbeiten. Auf die Frage, ob es Meinungsverschiedenheiten mit Finanzminister Wolfgang Schäuble in der Beurteilung der Lage gebe, sagte Merkel, sie habe mit dem Minister telefoniert. Auf die Bewertung des deutschen Finanzministers werde sie sich "ein Stück weit verlassen".